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13.08.2017 Peru / Politik / Soziales

Lehrer in Peru seit über 60 Tagen im Streik

Lehrerstreik Peru

In Peru gehen seit Wochen Lehrer für höherer Löhne auf die Straße

Quelle: larepublica.pe

Lima. In Peru befinden sich die gewerkschaftlich organisierten Lehrer seit über 60 Tagen im Streik. Sie fordern neben einer grundlegenden Gehaltserhöhung auch den Schutz vor einer vereinfachten Kündigung, den die Regierung mit Hilfe einer sogenannten Evaluationsmaßnahme erreichen wollte. Da sich die Streikenden aus einer heterogenen Gruppe zusammensetzen, die sich unter anderem von zwei verschiedenen Gewerkschaften vertreten lässt, kam es auch in den letzten Tagen trotz fortschreitender Verhandlungen noch zu keiner endgültigen Einigung.

Der Streik hatte am 15. Juni auf Initiative der Lehrergewerkschaft Perus SUTEP (Sindicato Unificado de Trabajadores de Educación de Peru) in Cusco begonnen. Für den 13. Juli hatten die Streikenden auch zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen. Als Reaktion auf die Proteste wurde von der Regierung teilweise der Ausnahmezustand in den Regionen um Cusco und Puno ausgerufen, der unter anderen die Versammlungsfreiheit einschränkte. Derweil traten auch andere Provinzen in den Streik ein.

Arbeitsniederlegungen von großen Teilen der Lehrer führten zu vielen Unterrichtsausfällen. Auch die regionale Lehrergewerkschaft SUTER (Sindicato Único de Trabajadores de la Educación Regional) solidarisierte sich und sorgte dafür, dass in immer mehr Provinzen gestreikt wurde. Nach 50 Streiktagen kamen an die 10.000 Lehrer aus dem ganzen Land in der Hauptstadt Lima an, um ihre Forderungen gegenüber der Regierung zu untermauern.

Forderung der Streikenden ist zum einen die Anhebung des Lohnes, so wie es Präsident Pedro Pablo Kuczynski bereits im Wahlkampf angekündigt hatte. Bisher verdienen Lehrer nur um die 1.500 Soles (etwa 390 Euro). Dies soll nun schrittweise auf 2.000 Soles (etwa 520 Euro) angehoben werden. Die Lehrer streben sogar eine Steigerung auf 4.250 Soles im Jahr 2021 an. Außerdem fordern die Lehrer, die Ankündigung zur Anhebung der wöchentlichen Arbeitsstunden von 30 auf 32 Stunden ohne Lohnerhöhung zurückzunehmen, vor allem aber auch ein geplantes Evaluationssystem nicht umzusetzen. Dabei sollen Lehrer bewerten werden und ihnen bei schlechtem Abschneiden sogar Kündigungen drohen.

Kuczynski hat nach einem Treffen mit Repräsentanten von SUTEP und SUTER am vergangenen Donnerstag die Anhebung des Gehalts auf zumindest 2.000 Soles bereits zugesagt und somit gehofft, den Streik beenden zu können. Ihm sei die große Bedeutung des Bildungssektors und damit der Lehrer für Peru bewusst und er werde selbstverständlich, wenn auch mit leichter Verzögerung, die Gehälter schrittweise bis zum Ende des Jahres auf 2.000 Soles anheben. "Sie können auf mich zählen, denn ohne Bildung gibt es gar nichts", so der Präsident nach einer gestrigen weiteren Verhandlungsrunde.

Damit scheinen sich Teile der Streikenden aber immer noch nicht zufrieden zu geben. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag kam es in Lima zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Streikende Lehrer, die mit den bisherigen Vereinbarungen noch nicht zufrieden sind, sollten nicht zum Kongress vorgelassen werden. Dabei wurden unter anderem Wasserwerfer gezielt eingesetzt.

Schon im Laufe der Woche war die Heterogenität der Streikenden offensichtlich geworden, als der Generalsekretär von SUTEP Cusco, Ernesto Meza, eine Übereinkunft mit Bildungsministerin Marilú Martens getroffen hatte. Da er aber nur das Mandat von wenigen Provinzen hatte (unter anderem Cusco, die Provinz Lima und Lambayeque), versammelten sich weitere Streikende unter der Führung des SUTEP-Generalsekretärs der Metropolregion Lima, Edgar Tello, auf dem Plaza San Martín in Lima, um ihre Ablehnung der für nur einige Provinzen ausgehandelten Ergebnisse zum Ausdruck zu bringen.

Auch im Gesundheitssektor wird seit einigen Wochen für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt. So traten zu Beginn der Woche die Krankenschwestern dem Streik der Ärzte bei, die ebenfalls wie die Lehrer für gerechtere Löhne auf die Straße gehen.

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