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23.08.2017 Bolivien / Politik / Soziales / Wirtschaft

Cochabambas erster elektrischer Zug: Bolivien setzt auf die Bahn

Güterzug in Bolivien. Der Personenverkehr auf der Schiene soll auch wieder ausgebaut werden

Güterzug in Bolivien. Der Personenverkehr auf der Schiene soll auch wieder ausgebaut werden

Quelle: David Gubler
Lizenz: CC by-nc-sa 2.0

La Paz. Die spanische JOCA-Firmengruppe und die schweizerische Molinari Rail AG werden in Bolivien die erste elektrische Eisenbahn bauen. Präsident Evo Morales gab vergangenen Donnerstag vor Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft in Cochabamba bekannt, dass die Arbeiten zum Bau der Zugstrecke bereits begonnen haben. Das Zentrum von Cochabamba soll über zwei Linien mit den Vororten Colcapirhua, Quillacollo, Vinto, Sipe Sipe und Sacaba sowie durch einen kleineren Abzweig auch mit der staatliche Universität verbunden werden. Die Gesamtlänge des Netzes wird 42 Kilometer betragen. 43 Stationen werden von vorerst zwölf Zügen angefahren, die mit bis zu 80 km/h unterwegs sein und jeweils 200 Fahrgästen Platz bieten werden.

Knotenpunkt soll der ehemalige Hauptbahnhof von Cochabamba sein, von dem zurzeit lediglich drei Mal pro Woche ein Schienenbus in das 200 Kilometer entfernte Aiquile rattert. Vorbei sind die Zeiten, in denen die bolivianische Staatsbahn (ENFE) Cochabamba mit La Paz, Argentinien und Chile verband. Das Staatsunternehmen wurde unter der Regierung von Gonzalo Sánchez de Lozada 1994 im Zuge neoliberaler Reformen zerschlagen, was zu einer drastischen Reduzierung des schienengebundenen Personenverkehrs in Bolivien führte.

Doch seit Morales’ Regierungsantritt wird wieder umfangreich ins bolivianische Verkehrsnetz investiert. Neben dem Straßenbau setzt man dabei in den Ballungsräumen auch auf die Bahn. La Paz besitzt bereits das größte urbane Seilbahnnetz der Welt, in Santa Cruz wird an einer Straßenbahn und einem dieselbetriebenen Vorortzug gebaut und in Cochabamba investiert der Staat über einen Zeitraum von drei Jahren an die 450 Millionen US-Dollar in den Bau der neuen elektrischen S-Bahn. Die ursprünglich geplante Finanzierung mit ausländischen Krediten ist gescheitert ist. Doch verkündet Morales, dass Cochabambas neuer Zug jetzt aus eigener Kraft aus dem Staatshaushalt bezahlt wird und somit sogar Ausgaben gespart werden können.

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