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03.10.2017 Chile / Umwelt

Chile: Regierung will Nutzung von Plastiktüten an der Küste verbieten

Twwet von Chiles Präsidentin Bachelet zu ihrem Gesetzesentwurf

Twwet von Chiles Präsidentin Bachelet zu ihrem Gesetzesentwurf

Quelle: @mbachelet

Santiago. Ein neuer Gesetzesentwurf soll den Gebrauch von Plastiktüten und -beuteln in den Küstenregionen Chiles verbieten. Ziel ist es, die Verschmutzung der Strände und Landschaften, aber vor allem der Ökosysteme und des Meeres durch Plastik zu reduzieren. Präsidentin Michelle Bachelet hatte dieses Projekt bei der 72. Generalversammlung der Vereinten Nationen unlängst angekündigt. Im Vordergrund stehe dabei, das Sterben der Fische und anderer Tierarten zu verhindern und somit die Biodiversität und die Rolle der Ozeane zur Bekämpfung des Klimawandels zu sichern. Gleichzeitig gibt es auch ökonomische Interessen die für das Gesetz sprechen: vor allem der Tourismus und die Fischindustrie würden davon profitieren.

"Die Umwelt zu schützen ist unser aller Aufgabe", twitterte Bachelet und wies darauf hin, dass in Chile jährlich 3,4 Milliarden Plastiktüten verwendet werden, von denen viele später im Meer landen. Deshalb sieht das neue Gesetz eine Geldstrafe von rund 300 Euro für jeden vor, der in Küstenregionen Plastikbeutel verkauft oder bei sich trägt vor. Chile würde mit diesem Gesetz zum Vorreiter inLateinamerika. Die Präsidentin ruft auch andere Nationen der Region auf, sich stärker für den Umweltschutz einzusetzen.

Umweltminister Marcelo Mena führte aus, dass heutzutage schon bei 90 Prozent der Seevögel Plastik in ihren Mägen vorzufinden ist und es bis 2050 genauso viele Plastiktüten wie Fische im Meer geben werde, wenn man jetzt keine Maßnahmen ergreift. Auch er wies nochmals auf die Wichtigkeit des Gesetzes hin, da es "eine Möglichkeit für die Bevölkerung ist, eigenhändig zur Dekontaminierung der Ozeane beizutragen". Experten fordern indes, das Gesetz auf das gesamte Land zu übertragen.

Während der Gesetzesentwurf einen wesentlichen Fortschritt hinsichtlich der Plastikabfälle der Bevölkerung darstellt, werden Industrieabfälle und die Umweltzerstörung durch große Konzerne derzeit noch kaum reguliert. Was das Meer betrifft stellen vor allem die Überfischung und lückenhafte Regelungen bezüglich der Lagerung industrieller Abfälle, beispielsweise höchst giftiger Rückstände des Bergbaus noch große Herausforderungen dar. Obwohl das Projekt weitgehend begrüßt wird, sehen es viele auch als eine "populistische" Umweltpolitik, da es die Kernursachen der Verschmutzung der Ozeane nicht bekämpfe und deshalb unzureichend sei. Dennoch sei es ein erster wichtiger Schritt hin zu ihrem Schutz und Erhalt.

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