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21.10.2017 Mexiko / Politik

Indigene Kandidatin in Mexiko: Geschlossen gegen Kapitalismus

María de Jesús mit Frauen der EZLN in Chiapas, Mexiko, im Oktober 2017

María de Jesús mit Frauen der EZLN in Chiapas, Mexiko, im Oktober 2017

Chiapas, Mexiko. María de Jesús Patricio Martínez, die unabhängige Kandidatin des Indigenen Regierungsrates (CNG) für die Präsidentschaftswahlen in Mexiko 2018, hat vom 14. bis 19. Oktober die fünf Caracoles (Gemeinden) der Rebellengruppe "Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung" (EZLN) im mexikanischen Bundesstaat Chiapas besucht. Dabei traf sie auch die Führung der EZLN.

In ihren Reden rief Patricio, besser bekannt als Marichuy, zum Zusammenhalt gegen den Kapitalismus auf: "Die Zeit der indigenen Völker ist gekommen. Wir müssen uns organisieren, um den Kapitalismus zu bekämpfen. Dieses System vernichtet uns, vernichtet unsere Gemeinden, unsere Dörfer, unsere Wälder".

Patricio hat sich bei der nationalen Wahlbehörde INE als unabhängige Kandidatin zu den Präsidentschaftswahlen 2018 in Mexiko registrieren lassen und ist damit die erste indigene Präsidentschaftskandidatin in der Geschichte des Landes. Sie tritt als Vertreterin des CNG an, in dem 35 indigene Völker mit 141 Vertretern aus 62 Regionen aus dem ganzen Land zusammengeschlossen sind. Es ist zu erwarten, dass noch mehr indigene Gemeinschaften sich dem CNG anschließen werden. Die EZLN unterstützt den Rat und die Kandidatur.

Laut Regelungen der INE haben die unabhängigen Kandidaten vier Monate Zeit, um 866.000 Unterschriften zu sammeln, damit ihr Name auf dem Wahlzettel erscheinen kann. "Dafür haben wir es geschafft, ein Netz von 1.500 ehrenamtlichen Helfern in den 32 mexikanischen Bundesstaaten zu bilden, die uns beim Sammeln von Unterschriften unterstützen", erklärte Patricio.

Bei dem Besuch in den Caracoles haben die Frauen die Hauptrolle gespielt: Die Vertreterinnen der "Räte der guten Regierung" sowie der Führung der EZLN haben die Kandidatin empfangen. Sie berichteten in ihren Willkommensreden über ihre Lage vor dem Aufstand 1994 in Chiapas und über die Fortschritte in der zapatistischen Bewegung. "Als wir kleine Mädchen waren, durften wir nicht lernen, nicht studieren. Wir haben nur auf die kleineren Geschwister aufgepasst. Wir haben in der Küche viel helfen müssen. Nun haben wir uns organisiert und unsere Rechte als Frauen kennengelernt. Innerhalb der EZLN gibt es jetzt Milizionärinnen und Anführerinnen sowie Gesundheitsbeauftragte", erklärte die Kommandantin Rosalinda.

Mit der Kandidatur einer indigenen Frau versuchen CNG und EZLN indigene Bewegungen und unabhängige Organisationen miteinander zu verbinden, um eine Einheit gegen die neoliberale Politik der mexikanischen Regierung zu schaffen. Der 1996 gegründete CNG ist die erste und bis jetzt einzige landesweite unabhängige indigene Organisation mit dem Ziel, grundlegende wirtschaftliche und politische Veränderungen im Land zu erreichen.

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