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12.06.2017 Mexiko / Politik

Indigene Präsidentschaftskandidatin in Mexiko meldet sich zu Wort

María de Jesús Patricio Martínez Indigenen Regierungsrat in Mexiko

María de Jesús Patricio Martínez, Sprecherin des Indigenen Regierungsrates von Mexiko

Quelle: Timo Dorsch

Chiapas. Die Sprecherin des Indigenen Regierungsrates von Mexiko hat in ihren ersten Interviews die Politik der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto erwartungsgemäß scharf kritisiert. María de Jesús Patricio Martínez, die am letzten Maiwochenende vom Nationalen Indigenen Kongresses (CNI) gewählt wurde, nimmt bei den kommenden Präsidentschaftswahlen im Juni 2018 als Kandidatin teil.

Ursprünglich kam dieser Vorschlag von der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN), die Teil des CNI ist. Beim 5. Nationalen Indigenen Kongress im Oktober 2016, an dem 360 Delegierte von 32 indigenen Gruppen teilnahmen wurde beschlossen, den Vorschlag anzunehmen und in den Gemeinden zu diskutieren. Nach diesem Konsultationsprozess verständigten sich dann Ende Dezember 2016 Vertreter aller 66 mexikanischen Volksgruppen und der EZLN darauf, einen basisdemokratisch gewählten indigenen Regierungsrat einzusetzen. Dieser solle von einer indigenen Sprecherin geleitet werden, die gleichzeitig 2018 als unabhängige, also parteilose Kandidatin antreten soll.

Die zur Sprecherin gewählte 53-jährige Nahua-Indigene, die auch Marichuy genannt wird, ist eine traditionelle Medizinerin aus Tuxpán im Süden des Bundesstaates von Jalisco.

Während beim Treffen in Chiapas nur wenige Worte von ihr zu hören waren, haben nun in der ersten Juniwoche verschiedene mexikanische Medien Interviews mit ihr geführt. Bei der abschließenden Pressekonferenz in Chiapas war nicht sie es, die die Fragen beantwortete, sondern der Indigene Regierungsrat (CIG). Dies gilt als Ausdruck des Kollektivgedankens und der Idee der Repräsentation, die sich nicht in einer Führungsfunktion der Sprecherin bzw. Kandidatin widerspiegelt.

Das erste Interview erfolgte mit der international bekannten Radiomoderatorin Carmen Aristegui. Darin stellte María de Jesús klar, dass die Teilname an den Wahlen über diese hinausgehe und auch die Kampagne anders als die konventionellen sein werde: "Es dreht sich um das Leben. Es gibt immer mehr Zerstörung in unseren Gemeinden." Sie verwies auf die katastrophalen Folgen der derzeitigen mexikanischen Politik nicht nur im ländlichen Raum. "Angesichts dessen gibt es nur taube Ohren", erklärte sie und schlussfolgerte: "Wir glauben es ist Zeit, dass die Völker sprechen" und bezog sich auf die 58 verschiedenen indigenen Gruppen, die an jenem Maiwochenende mit über 1.800 Delegierten aus dem ganzen Land präsent waren. Aber, so Marichuy weiter, sollten sie die Wahlen gewinnen, wäre es nicht sie, die regieren würde. Der Indigene Regierungsrat werde die mexikanische Bevölkerung mit einbeziehen und fragen, ob die derzeitige Organisation des mexikanischen Staates die beste Form sei oder ob Aufbau und Struktur nicht grundlegend anders sein müssten. Zugleich ist seit geraumer Zeit seitens des CNI immer wieder zu hören, dass es nicht um Wahlstimmen gehe, sondern dass sich die Menschen in eigenen politischen Strukturen organisieren.

Die Entscheidung für María de Jesús Patricio Martínez, bei der die EZLN nicht direkt einen Einfluss hatte, wohl aber ihre Einschätzung abgab, erfolgte auch vor dem Hintergrund des Vertrauens, das CNI und Zapatisten in sie haben. "Wir sehen, dass die Compañera sich nicht ergibt und sich nicht an die da Oben verrät und verkauft", hieß es seitens der EZLN.

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