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21.03.2018 Chile / Menschenrechte / Politik

Erste Mapuche-Abgeordnete in Chile unterstützt Machi Linconao

Gegen die Machi Linconao (Bildmitte) wird trotz bereits erfolgter Freisprüche weiter ermittelt. Rechts neben ihr Emilia Nuyado, die erste Mapuche-Abgeordnete in Chile

Gegen die Machi Linconao (Bildmitte) wird trotz bereits erfolgter Freisprüche weiter ermittelt. Rechts neben ihr Emilia Nuyado, die erste Mapuche-Abgeordnete in Chile

Temuco, Chile. Bereits wenige Tage nach ihrer Amtseinführung ist Emilia Nuyado Ancapichun, die erste gewählte Mapuche-Indigene im Abgeordnetenhaus von Chile, ins südliche Temuco gereist, um sich dort mit der bekannten Machi (Heilerin) Francisca Linconao zu treffen und ihr ihre Unterstützung zuzusichern. Sie wurde von rund hundert solidarischen Menschen begleitet, als sie am Freitag von der Hauptstadt Santiago aufbrach.

Die 60-jährige Linconao wird seit dem Jahr 2013 mit Ermittlungsverfahren überzogen. Unter anderem wird sie angeklagt, am Brandanschlag auf das Haus des Ehepaars Luchsinger-MacKay beteiligt gewesen zu sein. Dabei waren der schweizstämmige Großgrundbesitzer Werner Luchsinger und seine Ehefrau Vivianne Mackay 2013 in ihrem Haus in der Gemeinde Vilcún in der südchilenischen Region La Araucanía ums Leben gekommen. Die Behörden beschuldigten damals umgehend Angehörige der Mapuche, da der Grundbesitz der Familie auch von den indigenen Gemeinden beansprucht wird. Seitdem kam es immer wieder zu Verhaftungen von Mapuche. Zuletzt waren im vergangenen Oktober elf Beschuldigte wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden.

In einer Presseerklärung vom vergangenen Freitag bekräftigte die Machi erneut ihre Unschuld. In zwei Prozessen wurde sie bereits freigesprochen, die Verfolgung höre jedoch nicht auf. Obwohl es keine neuen Beweise gegen sie gibt, wird der Fall nun ein drittes Mal neu aufgerollt. Die Abgeordnete der Sozialistischen Partei Chiles, Nuyado erklärte dazu: "Die Machi Francisca Linconao ist unschuldig. Ihr wurden Beweise von den Carabineros untergeschoben." Sie verwies auch auf einen kürzlich aufgeflogenen Polizeiskandal: Carabineros hatten Whatsapp- und Telegram-Nachrichten auf Handys von Mapuche gespielt, um sie damit anklagen zu können. Diese sogenannte Operation Hurrikan sorgte für Empörung und ist nun selbst Gegenstand von Ermittlungen.

Machi Linconao, die den chilenischen Staat bereits mehrmals erfolgreich verklagt hat und längst eine Entschädigungszahlung hätte erhalten sollen, kündigte an, alle Instanzen auszuschöpfen, damit die Verfolgung eine Ende nehme. Sie werde zudem vor den Internationalen Gerichtshof ziehen, um den chilenischen Staat auch dort zu verklagen.

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