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Angeklagte in Chile nach Mord an Großgrundbesitzern freigesprochen

Verhandlung im Fall Mordfall Luchsinger-Mackay in Temuco, Chile

Verhandlung im Fall Mordfall Luchsinger-Mackay in Temuco, Chile

Quelle: telesurtv.net

Temuco, Chile. In Chile sind alle elf Angeklagten im Fall Luchsinger-MacKay, einem Doppelmord im Rahmen sozialer Proteste im Süden Chiles, freigesprochen worden. Sie befanden sich seit fast 20 Monaten in Untersuchungshaft, da sie für einen tödlichen Brandanschlag auf ein Ehepaar lokaler Großgrundbesitzer verantwortlich gemacht wurden. Der einstimmige Freispruch wurde mit Mangel an Beweisen begründet. Laut dem Gericht waren die Zeugenaussagen, auf welche sich die Anklage beruft, widersprüchlich und vermutlich unter widerrechtlichen Bedingungen zustandegekommen.

Der Fall Luchsinger-Mackay hatte den Mord an dem Großgrundbesitzerehepaar Werner Luchsinger und Vivianne Mackay verhandelt. Im Januar 2013 waren Unbekannte auf das Anwesen des Ehepaars vorgedrungen und hatten das Wohnhaus mit Brandsätzen attackiert. Der Zwischenfall ereignete sich im Rahmen von Protesten gegen den Mord an dem Studenten und Angehörigen der Mapuche-Volksgruppe Matías Catrileo. Bei dem Anschlag auf das Haus der Luchsinger-Mackays kamen die Eheleute zu Tode.

Die Reaktionen auf das Urteil fielen sehr unterschiedlich aus. Kurz vor den Wahlen wird die Entscheidung auch politisch ausgeschlachtet. Der rechte Präsidentschaftskandidat Sebastián Piñera deutete es als Versagen der Regierung, die nicht effizient gegen Kriminalität vorzugehen wisse. Die Familie Luchsinger-MacKay habe ein Recht darauf, dass die Verantwortlichen bestraft würden. Rechtsgerichtete Kreise machen nach wie vor die Mapuche für den Doppelmord verantwortlich.

Linke Politiker betonten hingegen, dass gegen die Freigesprochenen keine Beweise vorlägen. Die lange Untersuchungshaft sei willkürlich und rechtlich nicht haltbar gewesen. Die Angeklagten seien voreilig als Terroristen bezeichnet worden, sagte Beatriz Sánchez, Präsidentschaftskandidatin des Bündnisses Frente Amplio. Auch Mapuche-Organisationen weisen darauf hin, dass die Angeklagten aufgrund des Anti-Terror-Gesetzes, das der damalige Präsident Piñera nach dem Brandanschlag 2013 anwandte, ungerecht behandelt worden seien. Ein aktueller Menschenrechtsbericht der Universität Diego Portales beurteilt die Anwendung des Anti-Terror-Gesetzes gegen Mitglieder indigener Volksgruppen als fragwürdig. Innenminister Mario Fernández erklärte, die Regierung arbeite bereits an einer Anpassung der Regelung. In erster Linie solle eine neue Regelung über Untersuchungshaft erlassen werden, die zeitlich beschränkt werden müsse.

Rodrigo Román, Verteidiger eines Angeklagten, kritisierte das Verhalten der Rechten sowie staatlicher Institutionen. Staatssekretär Mahmud Aleuy sagte in Reaktion auf Anschuldigungen der politischen Rechten, der Staat habe das Urteil zu respektieren. Man werde es aber im Detail analysieren, um zu klären, ob weitere Schritte zu unternehmen seien. Für Román ein klares Zeichen, dass "für Aleuy, Piñera und andere die Mapuche niemals unschuldig sein werden, da sie sich in einem Krieg gegen die Mapuche befinden".

Im Konflikt zwischen den Mapuche und dem chilenischen Staat geht um den Boden in der Araucanía, er dauert seit der Eroberung des Gebiets Ende des 19. Jahrhunderts an.

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