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15.02.2018 Chile / Menschenrechte / Politik

Chile: Hochrangiger Vertreter der Mapuche im Hungerstreik

Am Freitag fand in Temuco, Chile, eine Demonstration zur Unterstützung von Cordova statt

Am Freitag fand in Temuco, Chile, eine Demonstration zur Unterstützung von Cordova statt

Temuco. Celestino Cordova, ein führender Vertreter der indigenen Mapuche in Chile, befindet sich seit dem 13. Januar im Hungerstreik, um gegen seine Inhaftierung seit 2013 zu protestieren. Cordova wurde wegen seiner angeblichen Beteiligung am Brandanschlag auf das Anwesen der Großgrundbesitzerfamilie Luchsinger-Mackay zu 18 Jahren Haft verurteilt. Dabei war das Ehepaar Luchsinger-Mackay ums Leben gekommen.

Der Fall hatte eine Reihe intensiver Ermittlungen nach sich gezogen, in deren Folge viele Mapuche-Aktivisten in Untersuchungshaft genommen wurden. Bis auf Cordova wurde niemand verurteilt. Im Oktober vergangenen Jahres wurden elf Beschuldigte wegen Mangels an Beweisen freigesprochen (amerika21 berichtete). Die Zeugenaussagen, auf die sich die Anklage beruft, waren Laut Gericht widersprüchlich und vermutlich unter widerrechtlichen Bedingungen zustande gekommen.

Mit dem Hungerstreik will Cordova erreichen, dass er zumindest für 48 Stunden Zugang zu seinem Territorium erhält, um seine Funktion als Machi, religiöser Führer, ausüben zu können. Zudem fordert er, dass ihm und anderen gefangenen Mapuche gestattet wird, innerhalb des Gefängnisses gemeinsam ihren Glauben auszuüben. Neben diesen direkten Forderungen will er auch erreichen, dass die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, die die Rechte indigener Völker regelt und der Chile beigetreten ist, überall im Land und auch in den Gefängnissen angewandt wird. Darüber hinaus sollen alle gefangenen Mapuche, die Aufgrund politischer Verfolgung in Gefängnis sitzen, freigelassen und das vom chilenischen Staat geraubte Land an die indigene Gemeinschaft zurückgegeben werden.

Laut Medienberichten hat Cordova am vergangenen Freitag Klage gegen zwei Carabineros und ihre Vorgesetzten wegen mutmaßlicher Fälschung von Beweismitteln eingereicht. Die Sicherheitsbehörden seien in seinem Fall ähnlich vorgegangen wie bei der sogenannten Operación Huricán im vergangenen August, bei der acht führende Mitglieder der indigenen Protestbewegung unter "Terrorverdacht" festgenommen und in Untersuchungshaft verbracht worden waren. Schnell wurden jedoch Vorwürfe laut, dass Beweise manipuliert wurden. Die Beschuldigten mussten im Oktober 2017 aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Januar wegen massiver Beweisfälschungen durch die Carabineros in dem Fall.

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