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Medienvertreter protestieren gegen das Verschwinden des Fotografen Legagneur in Haiti

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Der Fotoreporter Vladjimir Legagneur aus Haiti ist seit dem 14. März verschwunden
Der Fotoreporter Vladjimir Legagneur aus Haiti ist seit dem 14. März verschwunden

Port-au-Prince. Gemeinsam mit zahlreichen Medien hat der Fotografen- und Journalistenverband in Haiti zu einer Demonstration aufgerufen, um auf das Verschwinden des Fotoreporters Vladjimir Legagneur aufmerksam zu machen. Es gehe um die Solidarität mit den Familienangehörigen des Bildreporters. Auf einer Pressekonferenz wiesen die Organisatoren darauf hin, dass dies auch eine Gelegenheit sei, die Passivität der staatlichen Behörden anzuprangern und eine ernsthafte Untersuchung des Falles zu verlangen.

Der als freier Mitarbeiter für verschiedene Lokalblätter und Nichtregierungsorganisationen arbeitende 30-jährige Legagneur hatte am 14. März sein Haus verlassen, um eine Reportage über die Lebensbedingungen in Grand-Ravine, einem der ärmsten Viertel im Süden der Hauptstadt zu erstellen. Dort kam es in den letzten Jahren immer wieder zu besonders gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Straßenbanden. Seitdem ist er verschwunden. Wie es heißt, habe er zuvor nie Morddrohungen erhalten und nie von Versuchen gesprochen, ihn einzuschüchtern. Nach tagelangem Schweigen erklärte ein Polizeisprecher, dass die Behörden bis dahin keine Spur von dem Journalisten hätten.

Mehrere Organisationen und bekannte Medienschaffende aus dem In- und Ausland haben sich indes mit den Angehörigen des Journalisten solidarisiert und forderten die Behörden auf, alles zu unternehmen, um diesen Fall aufzuklären und die Verantwortlichen der Justiz zu überstellen.

Roberto Rock, Präsident der Kommission für Presse- und Informationsfreiheit und Direktor des mexikanischen Nachrichtenportals La Silla Rota (Der zerbrochene Stuhl) sprach sein Bedauern darüber aus, dass "dieser Fall ein eindeutiger Beleg für die Risiken ist, denen die Journalisten bei Ausübung ihres Berufs nicht nur in Haiti, sondern auch in anderen Ländern des amerikanischen Kontinents ausgesetzt sind".

Angesichts der Vorwürfe über schleppende Ermittlungen und der Tatsache, dass die Polizei Wochen nach seinem Verschwinden nicht in der Lage ist, neue Erkenntnisse zu präsentieren, erklärte Haitis Kommunikationsminister, die zuständigen Behörden ermittelten intensiv und die Regierung tue alles, damit die Presse unabhängig arbeiten könne.

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