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USA beantragen Auslieferung von Ex-Kommandant der Farc-Guerilla in Kolumbien

Jesús Santrich, Führungsperson der ehemaligen Farc-Guerilla aus Kolumbien, soll in die USA ausgeliefert werden

Jesús Santrich, Führungsperson der ehemaligen Farc-Guerilla aus Kolumbien, soll in die USA ausgeliefert werden

Quelle: Archiv

Washington/Bogotá. Die US-Regierung hat gegenüber Kolumbien ein offizielles Auslieferungsersuchen für das Führungsmitglied der ehemaligen Guerillaorganisation Farc, Jesús Santrich, gestellt. Dieses beruhe auf Ermittlungen der US-amerikanischen Antidrogenbehörde DEA, die Santrich und anderen vorwirft, eine Lieferung von zehn Tonnen Kokain in die USA geplant zu haben. 

Das Gesuch erreicht die kolumbianischen Behörden kurz vor Ablauf der 60-Tage Frist, nachdem Santrich, Fabio Younes Arboleda, Marlon Marín sowie Ex-Guerillero Armando Gómez Anfang April in Bogotá von der Polizei festgenommen worden waren. Zuvor sei die kolumbianische Staatsanwaltschaft von der DEA über den Ermittlungsstand informiert worden. Als Auszug der mutmaßlichen Beweise sind mittlerweile ein Video- sowie Telefonatausschnitt Santrichs veröffentlicht worden, deren Beweiskraft von Medien jedoch hinterfragt wird. 

Die Nachfolgepartei der ehemaligen Guerillaorganisation, ebenfalls mit Namen Farc, spricht von "Sabotage und Inszenierung" und beteuert die Unschuld Santrichs. Dieser sitzt derweil im Gefängnis La Picota, wo er aus Protest bereits in einen Hungerstreik eingetreten war. 

Für den weiteren juristischen Verlauf ist entscheidend, wie die im Zuge des Abkommens geschaffene Übergangsjustiz JEP die Vorwürfe der DEA bewertet. Fallen die mutmaßlichen Straftaten in die Zeit vor Inkrafttreten des Friedensabkommens zwischen Regierung und Farc-Guerilla am 1. Dezember 2016, wäre ausschließlich die JEP für den Fall zuständig – ohne Möglichkeit einer Auslieferung. Im gegensätzlichen Fall, so liege der Straftatbestand laut US-Behörden erst ab Juni 2017 vor, müsste letztlich der Oberste Gerichtshof Kolumbiens sowie die Regierung des südamerikanischen Landes über das US-Gesuch entscheiden.

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