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Zeugen bestätigen Verbindung zwischen Familie Uribe und Paramilitärs in Kolumbien

Die Hacienda "La Carolina" in Kolumbien, Besitz der Familie Uribe

Die Hacienda "La Carolina" in Kolumbien, Besitz der Familie Uribe

Bogotá. Neue Zeugenaussagen haben weitere klare Hinweise auf eine enge Verstrickung der Familie des ehemaligen kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe (2002-2010) in rechtsterroristische Strukturen gegeben. Drei ehemalige Angestellte der Hacienda "La Carolina" sagten vor wenigen Tagen aus, das Anwesen der Familie Uribe habe in den 1990er Jahren unter anderem als Basis für Treffen mit dem mutmaßlichen Anführer der paramilitärischen Gruppe "Die 12 Apostel" (Los 12 Aposteles), Alberto Osorio Rojas, gedient.

Die Audioaufzeichnungen der drei langjährigen Angestellten der Familie Uribe liegen auch amerika21 vor. Das Verhältnis zwischen dem Bruder des Ex-Präsidenten, Santiago Uribe, und Rojas sei sehr "intim und freundschaftlich" gewesen, so einer der damaligen Angestellten, der 20 Jahre auf der Uribe-Hacienda gearbeitet hatte. Sie sollen gemeinsam die "12 Apostel" angeführt haben. Uribe hatte stets Verbindungen zwischen ihm und Rojas bestritten. Treffen von Paramilitärs mit Uribe auf der Hacienda sollen laut den Aussagen zwischen einem und drei Tagen gedauert haben. Außerdem soll das Anwesen Anfang der 2000er Jahre als eine Art Militärbasis für die Gruppierung gedient haben. Diese wurde umgehend aufgelöst, als Santiago Uribe zum ersten Mal festgenommen wurde.

Die Verteidigung der Familie Uribe hatte den Prozess, der im Oktober vergangenen Jahres offiziell begann, wiederholt zu verhindern und Zeugen zu diskreditieren versucht. Viele der Zeugen wurden bereits Ende der 1990er Jahre ermordet. Erste Ermittlungen sind damals eingestellt, Jahre später dann aufgrund von neuen Zeugenaussagen allerdings wieder aufgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte im Juni 2017 die Anklage gegen Santiago Uribe wegen Mordes und Bildung einer kriminellen Vereinigung trotz Einspruchs der Verteidigung bestätigt.

Es sei eine "belegte Tatsache", dass Santiago Uribe die paramilitärische Gruppe "Die 12 Apostel" geleitet habe, hieß es in der Anklageschrift. Sie habe ihre Opfer wegen angeblicher Kooperation mit der Guerilla umgebracht und darüber hinaus Diebe und Drogensüchtige hingerichtet. Uribe ist mittlerweile gegen Auflagen im März aus dem Gefängnis entlassen worden. Der Prozess soll im Juli fortgeführt werden.

Álvaro Uribe war bei den Senatswahlen im März mit den meisten Stimmen aller Kandidaten gewählt worden und ist politischer Ziehvater des am Sonntag in der Stichwahl um das Präsidentenamt favorisierten Iván Duque. Er hatte ebenfalls das "Nein"-Lager beim Referendum zum Friedensvertrag angeführt.

 

 

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