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Bruder von Kolumbiens Ex-Präsident Álvaro Uribe festgenommen

Der Ex-Präsident und Senator Álvaro Uribe – sein Bruder ist nun in Haft

Der Ex-Präsident und Senator Álvaro Uribe – sein Bruder ist nun in Haft

Bogotá. In Kolumbien ist am Montag der Bruder von Ex-Präsident Álvaro Uribe, Santiago Uribe Vélez, wegen der Gründung der paramilitärischen Gruppe  "Die 12 Apostel" in den neunziger Jahren festgenommen worden. Er befindet sich derzeit bei der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Die Justizbehörde muss nun innerhalb von 120 Tagen entscheiden, ob ein Gerichtsverfahren gegen den 58-Jährigen eingeleitet werden soll. Die ultrarechte Partei von Álvaro Uribe, Centro Democrático, beklagte, die Festnahme von Santiago Uribe sei "Teil einer Verfolgungsstrategie der Regierung gegen Uribe-Anhänger".

Gegen den Senator und ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe selbst sind mindestens 27 Klagen wegen Paramilitarismus bei der Untersuchungskommission des Repräsentantenhauses eingereicht worden. Daraus sind allerdings bisher keine Ermittlungsverfahren entstanden. Die Festnahme eines Mitglieds der Familie Uribe Vélez hat es bislang nicht gegeben.

Ende der Neunziger hatte die Justiz die Ermittlungen gegen Santiago Uribe wegen seines Engagements bei den "12 Aposteln" eingestellt. Seitdem sind sieben Zeugen ermordet worden. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall im Jahr 2010 wieder eröffnet, als der Ex-Polizeioberst Juan Carlos Meneses aus dem Exil Uribe belastete. Meneses gestand, in der paramilitärischen Gruppe selbst gearbeitet zu haben, und versicherte, dass Santiago Uribe die Struktur gegründet und geleitet hat. Der Ex-Polizeioffizier befindet sich in Untersuchungshaft und wurde zum Kronzeugen der Staatsanwaltschaft gegen Uribe.

Die Paramilitärs der "12 Apostel" haben Bauern in der Umgebung eines Landguts der Familie Uribe Vélez namens La Carolina im Departamento Antioquia mit Unterstützung der Polizei und des Militärs getötet, wie der Staatsrat feststellte. Sie haben die Opfer wegen angeblicher Kooperation mit den Guerillas umgebracht. Die Gruppe hat ebenso Diebe und Drogensüchtige hingerichtet. Viehzüchter und Händler der Region haben die paramilitärische Struktur finanziert.

Auch der Bauer Eunicio Pineda sagte aus, er hätte gesehen, wie Santiago Uribe Anfang der neunziger Jahre Waffen und Funkradios den Paramilitärs überreicht hat. Pineda arbeitete in der Finca von Uribes Nachbar Álvaro Vásquez, wo sich oft bewaffnete Männer in Militäruniformen aufhielten. Der Bauer musste fliehen, nachdem er sich geweigert hatte, bei den Paramilitärs mitzumachen. Nach seiner Rückkehr einige Zeit später wurde er gefoltert. Die Paramilitärs hätten ihm alle Zähne mit einer Zange ausgezogen und auf eine Hand geschossen, sagte er aus. Ebenso belasten Aussagen der Ex-Paramilitär-Chefs Diego Murillo, alias 'Don Berna', und Darío Rendón, alias 'Don Mario', den Bruder des Ex-Präsidenten Uribe.

Nachdem die Partei Centro Democrático sich über politische Verfolgung beschwert hatte, rief Präsident Juan Manuel Santos auf, "Santiago Uribe alle Verfassungsgarantien" zu gewähren und eine internationale Aufsichtskommission für den Prozess zu bilden.

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