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14.08.2018 Chile / Politik

Chiles Kulturminister muss nach vier Tagen im Amt gehen

Auf Druck einer breiter Öffentlichkeit musste Chiles Kulturminister Mauricio Rojas nach nur vier Tagen im Amt gehen

Auf Druck einer breiter Öffentlichkeit musste Chiles Kulturminister Mauricio Rojas nach nur vier Tagen im Amt gehen

Santiago. Der chilenische Kulturminister Mauricio Rojas hat nur wenige Tage nach seiner Ernennung durch Präsident Sebastian Piñera auf Druck einer breiter Öffentlichkeit am Montag seinen Rücktritt eingereicht. Rojas, in der Vergangenheit Redenschreiber des Präsidenten, hatte in einem Interview das Museum der Erinnerung als "Inszenierung" bezeichnet. 

Rojas kommt aus einer linksgerichteten Familie. Seine Mutter, Juana Mullor, war Mitglied der Sozialistischen Partei (PS), wurde nach dem Militärputsch 1973 im Folterzentrum Villa Grimaldi grausam misshandelt und lebte danach in Schweden im Exil, wo sie dann auch verstarb. Sein Sohn folgte ihr nach Schweden und studierte dort. Er war als Pressesprecher der rechten Liberalen Partei (Folkpartiet) tätig und wurde in den Reichstag gewählt wurde. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist sein neoliberales, rechtes Weltbild dokumentiert.

2011 kehrte Rojas nach Chile zurück, bekam Kontakt mit Piñera und schrieb in dessen Auftrag das Buch "Unterhaltungen mit Sebastián Piñera". In der jüngsten Vergangenheit war er Redenschreiber Piñeras und wurde schließlich am 9. August als Kulturminister vereidigt.

Es dauerte indes nur wenige Stunden, bis Äußerungen von Rojas aus einem Buch aus dem Jahr 2015 an die Öffentlichkeit gelangten, in denen er das Museum der Erinnerung, das an die von der Militärdiktatur begangenen Gräueltaten erinnert, als "Montage" bezeichnet. "Vielmehr als ein Museum handelt es sich um eine Montage, deren Absicht es ist, den Besucher zu beeinflussen, ihn bestürzt zurückzulassen, es ihm unmöglich zu machen, nachzudenken", schrieb Rojas damals.

Es folgte ein Sturm der Entrüstung von Menschenrechtsorganisationen, Boykottaufrufe von Kulturschaffenden und offene Rücktrittsforderungen. Schließlich verlor Rojas in der routinemäßigen montäglichen Sitzung des politischen Komitees im Regierungspalast jede Unterstützung der Regierungsparteien. Piñera akzeptierte das "Rücktrittsgesuch" Rojas‘ und ernannte die Architektin und ehemalige Museumsdirektorin Consuelo Valdés Chadwick als dessen Nachfolgerin.

Nach Rücktritten von Ministern, Intendanten, Unterstaatssekretären und Entlassungen von regionalen Ministerialbeauftragten dokumentiert die Entlassung Rojas nicht den ersten Fehlgriff des Präsidenten. Es ist aber mit Sicherheit einer der am schwerwiegendsten, trifft er doch auf den Nerv der noch nicht abgeschlossenen Vergangenheitsbewältigung der Nation.

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