Peru sucht Verschwundene jetzt mit Gen-Datenbank

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Angehörige von Opfern des Massakers von La Cantuta. Ein Dozent und neun Studierende wurden am 18. Juli 1992 vom Militär entführt und sind seitdem verschwunden. Nun soll eine genetische Datenbank bei Suche und Identifikation helfen
Angehörige von Opfern des Massakers von La Cantuta. Ein Dozent und neun Studierende wurden am 18. Juli 1992 vom Militär entführt und sind seitdem verschwunden. Nun soll eine genetische Datenbank bei Suche und Identifikation helfen

Lima.Ein neues Gesetz ermöglicht in Peru die Suche nach vermissten Personen mit Hilfe einer genetischen Datenbank. Am vergangenen Wochenende verabschiedete Präsident Martín Vizcarra das Gesetz, um Angehörigen die Suche nach Vermissten zu erleichtern und ermöglichte damit die Einrichtung einer genetischen Datenbank. Damit sollen Personen, die während 1980 und 2000 im Zuge der bewaffneten Konflikte verschwunden sind, gesucht und identifiziert werden. Eine Zeremonie im Regierungspalast unter Anwesenheit des Justizministers und Vertretern von Organisationen der Angehörigen der Verschwundenen begleitete die Verabschiedung.

Zwischen 1980 und 2000 verschwanden beim blutigen Konflikt der maoistischen bewaffneten Organisation Leuchtender Pfad (Sendero Luminoso) und der peruanischen Armee insgesamt 20.329 Menschen. Oft finden sich deren Überreste in Massengräbern wieder, die nach Massakern entstanden sind. Dies erschwert die Suche nach den Vermissten und die Identifikation. Bis jetzt wurden nur ungefähr 850 der Verschwundenen gefunden.

Die genetische Datenbank wird ermöglichen, DNA-Proben von Verwandten der vermissten Personen zu sammeln und sie mit existierenden oder in Zukunft gefundenen menschlichen Überresten abzugleichen. Unter der Aufsicht des Justizministeriums werden die Proben der DNA, die einzigartig für jeden Menschen ist, einer Analyse unterzogen und miteinander verglichen. Dabei ist es möglich, die Proben auf eine Verwandtschaftsbeziehung zu untersuchen.

Bislang war die Suche nach einer vermissten Person lang und kostspielig. Neben der Identifizierung anhand der Knochen wurde auch die Kleidung hinzugezogen, die die Opfer getragen hatten. Oft wurde nach einer Anfrage die vermisste Person gar nicht gefunden.

Der Präsident betonte bei der Zeremonie, dass die Arbeit des Staates nicht nur die wirtschaftliche Wiedergutmachung von Verbrechen sei, sondern auch eine Frage der Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Damit sei eine solche genetische Datenbank nicht nur eine Erleichterung für die Familien, sondern für alle Peruaner. Auch die Präsidentin der Nationalen Menschenrechtsorganisation ANFASEP (Asociación Nacional de Familiares de Secuestrados, Detenidos y Desaparecido del Perú), die sich für die Rechte der Entführten, Verhafteten und Verschwundenen einsetzt, Juana Carrió, äußerte sich positiv. Nach Jahren des Leidens durch den Konflikt sei es endlich möglich, die Vermissten zu finden und zu bestatten.

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