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Weltweit Proteste nach Verschwinden von Aktivist Maldonado in Argentinien

Auch in Berlin gab es Proteste unweit der Botschaft von Argentinien

Auch in Berlin gab es Proteste unweit der Botschaft von Argentinien

Quelle: Jessica Zeller

Buenos Aires/Berlin. In Argentinien herrscht weiterhin Unklarheit über den Verbleib von Santiago Maldonado. Am 1. August war der linke Aktivist bei Protesten der indigenen Mapuche im Süden des Landes von der Gendamerie verhaftet und in einen Mannschaftswagen verfrachtet worden. Das berichten Augenzeugen, die an dem Tag dabei waren. Seitdem fehlt von dem jungen Mann jede Spur. Der Verdacht steht im Raum, dass er von der Polizei umgebracht worden ist. Menschenrechtsorganisationen verlangen vom argentinischen Staat Aufklärung darüber, was an dem Tag passiert ist. Einen Monat nach Maldonados Verschwinden fanden in vielen Städten Demonstrationen statt – auch in Berlin.

Seit dem Verschwinden des Aktivisten bewegt die Frage "Wo ist Santiago Maldonado" Millionen Argentinierinnen und Argentinier auf der ganzen Welt. Vorausgegangen waren der Mobilisierung vom 1. September bereits kleinere Proteste. Fußballspieler argentinischer Teams gingen mit Maldonado-Transparenten aufs Spielfeld. In den sozialen Medien gab es bis zu einer halben Million Tweets und Postings. Auch Diego Maradona bekundete seine Solidarität. Maldonado geht alle an. Denn obwohl er nicht der erste Verschwundene in der Zeit der argentinischen Demokratie ist, waren die Parallelen zu den Fällen während der Diktatur noch nie derart offensichtlich wie hier.

Auf diese Frage hat die Regierung unter dem rechtskonservativen Präsidenten Mauricio Macri keine Antwort – im Gegenteil. Als sich die politisch verantwortliche Ministerin für nationale Sicherheit, Patricia Bullrich, am 7. August erstmals öffentlich zu dem Fall äußerte, verkündete sie selbstsicher, dass es "keinerlei Anzeichen" dafür gebe, dass die Gendarmerie Maldonado festgenommen habe. Alle beteiligten Polizisten seien befragt worden, niemand wisse etwas von dem Mann. Zudem seien alle Protestierenden vermummt gewesen, wer könne da mit Sicherheit sagen, ob Maldonado überhaupt an Ort und Stelle gewesen sei?

Federico Efrón vom Menschenrechtszentrum CELS fasst zusammen: "Wenn wir uns das Handeln der Regierung im Fall Santiago Maldonado anschauen, so müssen wir leider feststellen, dass sie bisher sehr wenig dafür getan hat, die Ereignisse vom 1. August aufzuklären und Santiago Maldonado zu finden. Statt die Rolle der Sicherheitskräfte genauer unter die Lupe zu nehmen, wurde behauptet, die Familie von Maldonado würde nicht mit dem Staat zusammenarbeiten. Oder der junge Mann sei im Zuge eines früheren Protests verletzt worden und somit nicht dabei gewesen. Was natürlich Quatsch ist und eigentlich nur ein Ablenkungsmanöver. Aber es erschwert die Möglichkeit, Santiago noch lebend zu finden und die Rolle der Gendamerie an diesem Tag aufzuklären".

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