Kolumbien weiterhin weltweit größter Kokain-Hersteller

UNO veröffentlicht Jahresbericht. Anstieg der Koka-Anpflanzungen um 17 Prozent. Die meisten befinden sich in den Grenzregionen zu Ecuador und Venezuela

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Kokapflanze bei La Cumbre, Kolumbien
Kokapflanze bei La Cumbre, Kolumbien

Bogotá. Kolumbien ist nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) nach wie vor der weltweit größte Hersteller von Kokain. Außerdem verzeichnet das südamerikanische Land historische Anstiege in der Fläche der Koka-Pflanzungen sowie deren Produktivität. Wie das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) am vergangenen Mittwoch bekannt gab, seien die mit Kokablättern bepflanzten Flächen im Jahr 2017 um 17 Prozent auf nun 171.000 Hektar angestiegen.

Das Produktionspotenzial der Droge Kokain stieg laut Bericht um 31 Prozent zum Vorjahr auf 1.739 Tonnen an. Dies stellt seit Beginn der Statistik des zuständigen UN-Büros im Jahr 2001 einen Rekord dar. "Ich möchte meiner großen Sorge über die Menge des Geldes, das durch die illegalen Drogen bewegt wird, Ausdruck verleihen", führte Bo Mathiasen, der Vertreter der UNODC in Kolumbien, bei der Vorstellung des Berichts aus.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass die potenzielle Koks-Produktion in Kolumbien einen Umfang von 2,7 Milliarden US-Dollar zu den dortigen Marktpreisen habe. Der Wert eines Kilos sei im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf knapp 1.500 Dollar gesunken. Der Bericht sieht in dem gestiegenen Angebot einen möglichen Grund für den Preisabfall.

Mathiasen gab zudem zu Bedenken, dass nicht nur die Menge der Kokapflanzen angestiegen sei, sondern dass diese aufgrund der größeren Vielfalt der Pflanzen und des geringeren Schädlingsbefalls mittlerweile deutlich produktiver seien. Im Vergleich zu 2012 würden die Pflanzen heute 33 Prozent mehr Kokablätter abwerfen.

Trotz des Anstiegs der Beschlagnahmungen um 20 Prozent zum Vorjahr auf 435 Tonnen im Jahr 2017 sei die Kokainproduktion angestiegen. Auch die im Vergleich zum Jahr 2016 fast verdreifachte Fläche der erzwungenen Vernichtung von Kokapflanzen hatte nicht die gewünschte Wirkung.

Aus dem UN-Bericht geht hervor, dass sich die meisten Koka-Pflanzungen in den Grenzregionen zu Ecuador und Venezuela befinden. Das im Südwesten Kolumbiens an den Pazifik und Ecuador angrenzende Department Nariño sticht dabei besonders hervor: Die dort mit Koka bepflanzte Fläche sei größer als sämtliche Anpflanzungen in Peru, das mit 43.900 Hektar der zweitgrößte Koka-Hersteller sei.

Laut UNODC seien 119.500 Haushalte in Kolumbien vom Drogenanbau abhängig. Insbesondere die ärmsten Regionen des Landes mit der ungleichsten Wohlstandsverteilung auf dem südamerikanischen Kontinent sind besonders vom Koka-Anbau betroffen. "Die illegale Wirtschaft in diesen Munizipien übertrifft die legalen Wirtschaftszweige", stellte Mathiasen fest.

In Reaktion auf den Bericht des UNODC gab der neugewählte Präsident von Kolumbien, Iván Duque, bekannt, das Ziel seiner Regierung sei, die Koka-Pflanzungen innerhalb der nächsten vier Jahre um 140.000 Hektar Fläche zu verringern. Duque hatte in der Vergangenheit die Strategie seines Vorgängers Juan Manuel Santos kritisiert, der die erzwungene Zerstörung der Kokapflanzen mit der im Friedensvertrag mit der Farc-Guerilla festgeschriebene freiwillige Substituierung der Kokapflanzen durch andere Anpflanzungen durch die Kokabauern kombiniert hatte.

Darüber hinaus prüft die rechtskonservative Regierung des neuen Präsidenten aktuell den Einsatz von Glyphosat zur Bekämpfung der Koka-Anpflanzungen wieder aufzunehmen. Im Jahr 2005 hatte die damalige Regierung den Einsatz des Pflanzengifts wegen der hohen Risiken für Gesundheit und Umwelt eingestellt.

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