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Kuba zieht Gesundheitspersonal aus Brasilien ab

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Über 113 Millionen Menschen wurden in Brasilien im Rahmen des kubanischen medizinischen Programms versorgt
Über 113 Millionen Menschen wurden in Brasilien im Rahmen des kubanischen medizinischen Programms versorgt

Havanna. Das kubanische Gesundheitsministerium hat am Mittwoch in einer offiziellen Mitteilung den Abzug des gesamten medizinischen Personals aus Brasilien bekannt gegeben, das derzeit im Rahmen des 2013 gestarteten Programms "Mais Médicos" in dem südamerikanischen Land tätig ist. Der Schritt kommt nur wenige Wochen nachdem der neu gewählte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro die einseitige Veränderung der Vertragsbedingungen ankündigte und mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Kuba drohte.

Die von Bolsonaro vorgeschlagenen Veränderungen seien "inakzeptabel und verletzen die seit Beginn des Programms bestehenden Garantien", heißt es in dem Statement, das die kubanische Regierung auf zahlreichen Kanälen und in mehreren Sprachen verbreitete. Derzeit sind über 10.000 kubanische Ärzte und Krankenpfleger in mehreren tausend Gemeinden des Landes tätig, darunter auch in 34 indigenen Distrikten und in zahlreichen Armenvierteln, in denen nicht selten nie zuvor ein Arzt praktiziert hatte. Seit Beginn des Programms im August 2013 arbeiteten über 20.000 Kubaner in Brasilien, die mehr als 113 Millionen Patienten behandelten. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel betonte in einer Botschaft auf dem Kurznachrichtendienst Twitter den Altruismus und den humanistischen Geist der kubanischen Gesundheitskräfte und mahnte, "solche menschlichen Gesinnungen zu respektieren und zu verteidigen."

Trotz des Staatsstreichs gegen Dilma Rousseff im Jahr 2016 wurden die Vertragsbedingungen bislang von der Regierung des De-facto-Präsidenten Michel Temer weiterhin eingehalten. Der designierte Präsident Bolsonaro hingegen, der "mit direkten, despektierlichen und bedrohlichen Anspielungen“ gegen die kubanischen Ärzte vorgehe, habe nun den Inhalt der Verträge mit Kuba und der panamerikanischen Gesundheitsorganisation völlig infrage gestellt, was "die weitere Anwesenheit der kubanischen Ärzte unmöglich macht", so Kubas Gesundheitsministerium.

Bolsonaro bezeichnete zuletzt die Ärzte aus Kuba als "Sklavenarbeiter", da der Großteil des Lohns an den kubanischen Staat entrichtet wird. Die kubanischen Auslandsmissionen sind neben ihrem humanistischen Gehalt auch ein wichtiger ökonomischer Faktor für das Land. Dennoch verdienen im Ausland arbeitende Ärzte deutlich besser als ihre Kollegen auf der Insel.

Kubas Gesundheitsministerium betonte, dass das "Mais Médicos"-Programm in der Vergangenheit "die erfolgreiche Durchführbarkeit eines Programms der Süd-Süd-Kooperation" demonstriert habe, das zudem von den Vereinten Nationen als Beispiel für gute Praxis gelobt wurde.

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