Polizei in Chile erschießt jungen Mapuche bei Großeinsatz

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In vielen Städte Chiles finden Demonstrationen gegen den Mord an Camilo Catrillanca statt
In vielen Städte Chiles finden Demonstrationen gegen den Mord an Camilo Catrillanca statt

Temucuicu, Chile. Eine Spezialeinheit der chilenischen Militärpolizei (Carabineros) hat vergangenen Dienstag in der indigenen Mapuche-Gemeinde Temucuicu den 24-jährigen Camilo Catrillanca erschossen. Nach Angaben seines Großvaters, Juan Catrillanca, dem traditionellen Anführer der Gemeinde (Lonko), fuhr er mit einem Traktor von der Feldarbeit nach Hause, als ihn eine Kugel von hinten in den Kopf traf. Mit ihm war ein 15-jähriger, der schwer verletzt wurde. Camilo Catrillanca starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Laut Polizei wurden drei Autodiebe verfolgt, die Lehrerinnen ihre Fahrzeuge gestohlen hätten. Diese Verfolgung unter Einsatz eines Hubschraubers und dem sogenannten Dschungelkommando (Comando Jungla) habe bis in das Gebiet der Mapuche-Gemeinde Temucuicui gereicht.

Das Dschungelkommando der Polizei ist eine in Kolumbien ausgebildete Spezialeinheit, die erst 2018 von der Regierung wegen der Landkonflikte zwischen Mapuche und Großgrundbesitzern im Süden Chiles gebildet wurde. Offiziell ist seine Aufgabe "den Terrorismus in der Region" und den Drogenhandel zu bekämpfen, es wird aber vor allem gegen Mapuche eingesetzt.

Sprecher von Polizei und Regierung negieren den politischen Charakter der Polizeiaktion. Innenminister Andrés Chadwick sagte, dass der Tod Catrillancas seinen Ursprung in einer Straftat habe, "einem schweren und gewalttätigen Überfall auf drei Frauen, einer Straftat, die nichts mit dem Mapuchekonflikt zu tun hat." Journalisten und Parlamentarier werfen die Frage auf, warum eine Spezialeinheit zur Terrorbekämpfung wegen Autodiebstählen mit 200 Mann, Kriegswaffen und einem Hubschrauber in eine Mapuche-Gemeinde einfällt und einen jungen Mann tötet. Für kommenden Montag zitierten die Parlamentarier den Innenminister zu einer Befragung.

Die Gemeinde Temucuicui ist bekannt für ihren Widerstand gegen Großgrundbesitzer und Forstunternehmen. Camilo Catrillanca war nicht vorbestraft. Er hatte eine lange Geschichte im Widerstand, bereits als Schüler nahm er an Aktionen teil, unter anderem an einer friedlichen mehrtägigen Besetzung im nahegelegenen Ercilla.

Nach dem Tod Catrillancas haben Mapucheorganisationen zu Protesttagen im ganzen Land aufgerufen. Bei ersten Demonstrationen in Ercilla, Temuco und Santiago kam es zu Angriffen der Polizei auf die Demonstrierenden mit Tränengas und Schlagstöcken. Nach Zusammenstößen mit der Polizei wurden in Santiago 40 Menschen festgenommen.

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