UN-Menschrechtsbeauftragter nennt Situation in Kolumbien "dramatisch"

kolumbien_michel_forst_menschenrechte_uno_un.jpg

Lage in Kolumbien "dramatisch": UNO-Sonderberichterstatter Forst
Lage in Kolumbien "dramatisch": UNO-Sonderberichterstatter Forst

New York/Bogotá. Der UN-Sonderberichterstatter für die Situation von Menschenrechtsverteidigern, Michel Forst, hat deren Situation in Kolumbien als "dramatisch" bezeichnet. Auf Einladung von Präsident Iván Duque hatte Forst während eines zweiwöchigen Besuches rund 200 Menschenrechts- und Umweltaktivistinnen und -aktivisten besucht

Während die allgemeine Mordrate nach dem Friedensvertrag mit der Farc-Guerilla gesunken ist, stieg die Zahl der bedrohten Menschenrechtsaktivisten und der politischen Morde in dem südamerikanischen Land massiv an.

Insgesamt wurden seit 2016, je nach Zählung, zwischen 181 und 335 Aktivisten ermordet, weitere Anschläge konnten vereitelt werden. Es wird geschätzt, dass 500 Personen akut gefährdet sind. Obwohl die genaue Datenlage dazu unklar ist, zeigt die Statistik, dass Personen, die sich lokal engagieren, Opfer gezielter Morde werden. Insbesondere im ländlichen Kolumbien, wo zuvor die Farc agierten, sind Personen in Gefahr, die sich für die Wahrung der Menschenrechte, den Schutz ihres Territoriums oder einer Minderheit einsetzen. Die Opfer sind häufig Vorsitzende von lokalen Gremien und Zusammenschlüssen, die sich für die Rechte der Bevölkerung engagieren.

Besorgniserregend ist zudem, dass nur etwa 50 Prozent der Fälle juristisch verfolgt werden. Es wird vermutet, dass die Ermordungen vor allem im Zusammenhang mit paramilitärische Gruppen stehen. Jedoch wies Forst in seiner Pressekonferenz auch darauf hin, dass mehrere Aktivisten und Aktivistinnen Drohungen von internationalen Unternehmen erhalten hätten. Er nannte die Namen zunächst nicht, kündigte aber an, die Firmen öffentlich anzuklagen und riet der Regierung Duque, tätig zu werden.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr