25 Jahre zapatistischer Aufstand in Mexiko

Feierlichkeiten und Netzwerktreffen in Chiapas. EZLN distanziert sich von Mexikos Präsident López Obrador und organisiert sich weiter gegen Megaprojekte

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Willkommensschild am Eingang zum Caracol La Realidad
Willkommensschild am Eingang zum Caracol La Realidad

Guadalupe Tepeyac/La Realidad. Mit einem mehrtägigen Netzwerktreffen und abschließenden Feierlichkeiten zum Jahreswechsel hat die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) den 25. Jahrestag des Beginns ihrer bewaffneten Erhebung am 1. Januar 1994 im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas begangen. Um die gegenwärtige Situation der Welt zu analysieren und Antworten auf die Frage "Was folgt?" zu finden, kamen in der Gemeinde Guadalupe Tepeyac Mitglieder der EZLN, des Nationalen Indigenen Kongresses (CNI), des Indigenenrates der Regierung (CIG) und zahlreiche Unterstützer zusammen.

Bei dem Treffen ging es unter anderem um die Frage, ob sich die Netzwerke, die im Rahmen der Präsidenschaftskandidatur von María de Jesús Patricio Martínez, kurz Marichuy, im vergangenen Jahr im gesamten Land unter vielen Teilen der indigenen Bevölkerung entstanden sind, langfristig zusammentun, um sich weiterhin an anderen sozialen Kämpfen zu beteiligen und für gemeinsame Anliegen einzustehen. Unter dem Namen "Netzwerke des Widerstands und der Rebellion" (Redes de Resistencia y Rebeldía) hat die Idee aktuell weiter Bestand. Im Abschlusskommuniqué wurde einstimmig die Ablehnung gegen aktuelle Megaprojekte wie die Ausweitung der sogennanten Sonderwirtschaftszonen Zonas (Economicas Especiales, ZEE) oder das aktuelle Bauprojekt  des Maya-Zuges (Tren Maya) vom neuen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (Amlo) festgehalten.

Zum Jahresabschluss und den Festlichkeiten zum 25. Jubiläum der Erhebung folgten dann tausende Zapatisten und deren Anhänger der Einladung ins autonome Verwaltungszentrum (Caracol) La Realidad im Bezirk Ocosingo.

Hauptanliegen in den Reden war auch bei dieser Veranstaltung die klare Distanzierung vom neuen Staatsoberhaupt Amlo und seinen Vorhaben in der Region. Subkommandant Moisés verkündete erneut, dass die EZLN seine Infrastruktur- und anderen Projekte ablehnt. Das Tren Maya-Projekt, bei dem 1.525 Kilometer Schienen in fünf Bundesstaaten verlegt werden sollen, um auf zwei Routen die wichtigsten touristischen Ziele der Region miteinander zu verbinden, bezeichnete er in einer seiner Reden als "Vorwand des Präsidenten, um die indigenen Dörfer zu zerstören". 

"Wir werden kämpfen. Wir werden uns dem entgegenstellen und nicht erlauben, dass López Obrador hier seine Projekte der Zerstörung anlegt. Wir haben keine Angst vor der Nationalgarde (Guardia Nacional), wo nur der Name geändert wurde, um nicht Militär zu sagen“, betonte er in seiner Ansprache vor den nationalen und internationalen Gästen im Caracol. Auch die Nationalgarde ist ein Vorhaben Amlos. Rund 50 000 Gardisten sollen vom Militär ausgebildet und hauptsächlich im Kampf gegen die Drogenkartelle eingesetzt werden. Menschenrechtler kritisierten diesbezüglich eine zunehmende Militarisierung im Land. Die Kritik an Infrastrukturprojekten ist in indigenen Gebieten historisch bedingt. Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass mit ihnen die Ausbeutung durch nationale und internationale Konzerne, Umweltzerstörungen und ein Anstieg von Konflikten in den betroffenen Regionen einhergehen.

Amlo reagierte umgehend auf die Worte des Kommandanten Moisés: "Auch wenn sie sich uns entgegenstellen wollen, gibt es darauf keine Antwort. Wir leben in einem freien Land, es gibt keine Repression oder Zensur. Ich respektiere ihr Vorhaben, ihre Programme und Entscheidungen", ließ er verlauten. 

Ein Hauptmerkmal der zapatistischen Bewegung ist seit ihrem Beginn der kontinuierliche Aufbau autonomer gesellschaftlicher Strukturen – im Gesundheitswesen, bei Schule und Ausbildung, in der Rechtsprechung – und einer alternativen Ökonomie. Der Wirtschaftshistoriker und ehemalige Berater der EZLN, Antonio García de León, merkte kürzlich an, dass die Bewegung durch den steigenden indigenen Widerstand und die aktuelle politische Entwicklung in Mexiko an Wichtigkeit gewinnt. Die EZLN habe schließlich eine nationale wie internationale Präsenz und auch wenn es in der Ausrichtung zu Änderungen kam, bleibe ihr Kampf für die Rechte und die Kultur der indigenen Völker stets aktuell.

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