Mexiko: Indigene und Umweltschützer gegen Zugprojekt "Tren Maya"

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Der neue mexikanische Präsident López Obrador setzt sich für den Bau einer umstrittenen Zugstrecke im Südosten des Landes ein
Der neue mexikanische Präsident López Obrador setzt sich für den Bau einer umstrittenen Zugstrecke im Südosten des Landes ein

Palenque. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador, kurz Amlo genannt, hat den Baubeginn des "Tren Maya" (Maya-Zug) bekanntgegeben. Er hatte schon während seines Wahlkampfes den Bau einer neuen Zugstrecke im Südosten des Landes verkündet. Von der Verbindung des im Bundesstaat Chiapas gelegenen Palenque mit Cancún, dem Hauptort der "Riviera Maya" genannten Touristenregion an der mexikanischen Karibikküste, verspricht sich Amlo einen wirtschaftlichen Aufschwung der Region. Gegner des Projektes kritisieren es als neokoloniales Entwicklungsprojekt, das schwerwiegende ökologische Schäden verursachen wird.

"Der Südosten ist die am meisten vernachlässigte Region gewesen. Doch seine Zeit ist nun gekommen", verteidigt der neue Präsident sein Projekt. 1.525 Kilometer Schienen sollen in fünf Bundesstaaten verlegt werden, um auf zwei Routen die wichtigsten touristischen Ziele der Region miteinander zu verbinden. Neben den Badeorten der Riviera Maya, die durch All-Inclusive- und Massentourismus geprägt sind, und bereits stark frequentierten Orten wie den Maya-Ruinen von Chichén Itzá, betrifft dies auch bislang abgelegene Orte wie Calakmul und Xpujil im Süden der Halbinsel Yucatán. Hier sollen die Schienen durch bislang weitgehend unberührten Urwald verlaufen, auch durch Gebiete unter Naturschutz, wie von Umweltschützer befürchtet wird. Die Wälder sind der größte zusammenhängende Lebensraum des Jaguars in Mexiko. Die Zugstrecke könnte ihn essentiell bedrohen, so der Biologie Gerardo Ceballos von der Nationalen Autonomen Universität in Mexiko-Stadt.

Laut Umfragen befürworten 80 Prozent der Mexikaner das Großprojekt. Aussagen der Regierung zufolge soll es Konzessionen für den Tourismus sowie Güter- und Personenverkehr geben. Von einem Auftragsvolumen von cirka 325 Millionen Euro ist die Rede. Dieses soll mehrheitlich aus der Privatwirtschaft erbracht werden, da die staatlichen Mittel nicht ausreichen. Der Regionaldirektor von Siemens hat bereits Interesse an dem Projekt vermeldet. Der zweitgrößte Zughersteller der Welt könne von der Energieerzeugung über den Schienenbau bis hin zur Lieferung vollautomatisierter Züge den kompletten Bedarf abdecken.

Der neue Präsident selbst nahm im südmexikanischen Palenque in unmittelbarer Nähe der gleichnamigen Maya-Ruine an einer indigenen Zeremonie teil. Vertreter von zwölf indigenen Bevölkerungsgruppen befragten in einem Ritual Mutter Erde nach ihrer Zustimmung zu dem Infrastrukturprojekt.

Vor allem die Indigenen der Region bezweifeln jedoch, dass sie, wie von der Regierung behauptet, die Hauptnutznießer des Projektes werden. Bisherige Infrastrukturprojekte seien stets über ihren Kopf hinweg entschieden worden und hätten ausschließlich den Kapitalinteressen gedient. Die den Zapatisten nahestehenden Regionalen Indigenen Räte sehen diesbezüglich unter der neuen Regierung keinen Unterschied. Romel González Díaz, Sprecher der Indigenen Räte, kritisierte schon die Zeremonie am Sonntag als "Folklore-Show". Amlo berufe sich auf eine breite Zustimmung der Bevölkerung für das Megaprojekt, doch die direkt betroffenen indigenen Gemeinden sind bislang weder informiert noch bezüglich ihrer Zustimmung befragt worden. Sie kritisieren den neokolonialen Charakter des Konzeptes "Fortschritt für die Region". "Die Logik, dass sie kämen um uns den Fortschritt und die Zivilisation zu bringen", verletzt das Selbstbestimmungsrecht der Völker, "da es ein Projekt eines Architekten und einer Gruppe von Personen ist, die die Region nicht kennen", so González.

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