EZLN dementiert Kontakt mit designiertem Präsidenten López Obrador in Mexiko

Bekannter katholischer Geistlicher und Aktivist will Schreiben an Guerilla übergeben haben. EZLN-Führung weist das zurück und antwortet mit Kritik

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Subcomandante Insurgente Moises von der EZLN in Mexiko
Subcomandante Insurgente Moises von der EZLN in Mexiko

Mexiko-Stadt. Die mexikanische Guerillaorganisation Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (Ejército Zapatista de Liberación Nacional, EZLN) hat Berichte dementiert, nach denen der designierte Präsident und Linkenpolitiker Andrés Manuel López Obrador Kontakt zu ihr aufgenommen habe. Die Nachricht war von dem bekannten katholischen Geistlichen und Menschenrechtsaktivisten Alejandro Solalinde verbreitet worden. Er habe im Auftrag López Obradors eine Einladung zum Dialog an den Generalstab der EZLN übergeben.

"Seitens des gewählten Präsidenten besteht die Bereitschaft, den Dialog mit der zapatistischen Führung aufzunehmen. Am morgigen Dienstag werden wir ihnen das Schreiben überreichen und mit ihnen sprechen", sagte der Geistliche bei der Vorstellung seiner Autobiographie in der Stadt San Cristóbal de las Casas im Süden des Landes.

Solalinde, der erst kurz zuvor das Angebot ausgeschlagen hatte die Nationale Menschenrechtskommission zu leiten, fügte hinzu, dass die zapatistische Bewegung "unser aller Bewusstsein geweckt hat", jedoch sei deren anti-systemische Einstellung nicht mehr zeitgemäß in der neuen Ära, die mit der Wahl von López Obrador begonnen habe.

Prompt folgte am Dienstag die Antwort der Rebellen. In einer Mitteilung dementierten sie jegliche Kontaktaufnahme mit der künftigen Regierung. Die Aussage Solalindes, dass sie zu einem ersten Dialog bereit wären, bezeichneten sie als "Lüge". Solalinde wurde in der von Subcomandante Móises unterschriebenen Erklärung Geltungssucht vorgeworfen. "Von Herrn Solalinde haben wir nichts als Lügen, Beschimpfungen, Verleumdungen und rassistische und chauvinistische Kommentare zu hören bekommen", heißt es in dem Schreiben.

Zudem wiesdie EZLN darauf hin, dass Amlo, wie López Obrador in Mexiko genannt wird, vom Nationalen Wahlinstitut noch nicht offiziell als gewählter Präsident bestätigt wurde und sein Amt erst am 1. Dezember antritt.

"Wie bekannt ist, haben wir seit mehr als 16 Jahren keinen Dialog mehr mit den verschiedenen Bundesregierungen geführt," heißt es in dem Text weiter: "Auf unsere Gesprächsbereitschaft wurde immer mit Lügen, Verunglimpfungen und Verrat geantwortet."

Trotz dieses klaren Dementis bestand Solalinde darauf, dass er sich am Dienstag mit einem Teil der zapatistischen Bewegung getroffen habe. "Die Zapatisten sind nicht einheitlich, es gibt verschiedene Strömungen“, sagte der 73-Jährige. "Die Annäherung mit dem Teil der Bewegung, die an einen Wandel glaubt, ist real. Aber andere sind noch nicht so weit."

Ob dieser Vorstoß von Solalinde, der 2012 den Nationalen Menschenrechtspreis für seine Arbeit mit Migranten erhielt, eine Annäherung zwischen der künftigen Regierung und der zapatistischen Bewegung wahrscheinlicher gemacht hat, darf bezweifelt werden. Nachdem López Obrador die Wahlen vom 1. Juli mit einer historischen Mehrheit von 53,19 Prozent gewonnen hat, war die EZLN einer der wenigen Akteure, die nicht in die allgemeine Euphorie einstimmten, die der klare Wahlsieg von Amlo nicht nur bei progressiven Kräften, sondern überraschenderweise auch bei der Unternehmerelite des nordamerikanischen Landes ausgelöst hatte.

Dass die Zapatisten, die in den letzten fünfzehn Jahren vor allem auf den Aufbau selbstverwalteter Strukturen und die Vernetzung mit anderen Anti-System-Kräften gesetzt haben, sich nach Amlos Amtsantritt am 1. Dezember mit seiner Regierung an einen Tisch setzen werden, ist daher eher unwahrscheinlich.

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