Gericht in Mexiko stoppt Bauarbeiten von Teilstrecke des Tren Maya

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Das Satellitenbild zeigt die Entwaldung aufgrund des Baus des Tren Maya (2023)
Das Satellitenbild zeigt die Entwaldung aufgrund des Baus des Tren Maya (2023)

Mérida. Ein Gericht in Mérida, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Yucatán, hat die Einstellung der Bauarbeiten im Abschnitt 5 Süd des Tren Maya angeordnet.

Diese Anordnung muss befolgt werden, bis die mexikanische Regierung Belege über durchgeführte Umweltstudien zu den möglichen Auswirkungen der Bauaktivitäten der Zuglinie vorlegt. Dies betrifft vor allem die Cenoten und unterirdischen Höhlen. Cenoten sind natürliche Brunnen in einem Kalkgestein auf der Halbinsel Yucatán. Diese spielten im Leben der Maya in der Region eine wichtige Rolle.

"Die Bauarbeiten des Tren Maya im Abschnitt 5 Süd werden solange unterbrochen, bis die Regierung bestätigt, dass Umweltgenehmigung auf Basis durchgeführter geologischer, geophysikalischer und geohydrologischer Untersuchungen erteilt und öffentlich gemacht wurden", heißt es in dem Gerichtsurteil.

Zudem muss die Regierung alle Protokolle, Bauregister und Aufzeichnungen über den Abschnitt vorlegen. Des Weiteren Dokumentationen über getroffene Präventiv- und Schutzmaßnahmen, die verhindern sollen, dass durch die Bauarbeiten Verunreinigungen des Grundwassers, Einstürze und andere Schäden entstehen können.

Damit soll die Regierung angehalten werden, den Beweis zu erbringen, dass der Bau keine reale Gefahr für die Grundwassersysteme verursacht. Oder, dass sie die möglichen Risiken so minimiert hat, dass weder eine Verunreinigung des Grundwassers noch eine Instabilität des Zugbetriebes eintreten können.

Die Entscheidung des Gerichts wurde gefällt, nachdem Umweltaktivisten ein Video veröffentlicht hatten, in dem trockener Zement im Grundwasser des Abschnitts 5 "Garra del Jaguar" (Kralle des Jaguars) zu sehen ist. Dieser ist offensichtlich durch unsachgemäße Zementierungsarbeiten eingebracht worden. Zu sehen sind auch Durchbrüche mit riesigen Beton- und Stahlpfeilern im Inneren der Höhlensysteme mit Cenoten und unterirdischen Flüssen der Halbinsel Yucatán.

Der Abschnitt 5 Süd erstreckt sich von Playa del Carmen nach Tulum an der karibischen Küste im Bundesstaat Quintana Roo und soll am kommenden 29. Februar eingeweiht werden.

Die Bürgerinitiative "Selvame del Tren" protestierte am 19. Februar vor dem Rathaus in Mexiko-Stadt. Die kleine Gruppe von Aktivist:innen prangerte die Umweltzerstörung durch den Bau des Tren Maya in der von vielen Indigenen bewohnten Region an.

"In Mexiko werden nicht nur unschuldige Personen umgebracht. Die mexikanische Regierung bringt Ökosysteme in ganz Mexiko um. Gerade im Abschnitt 5 Süd wurden fünf Millionen gesunde Bäumen für den Bau des Zuges abgeholzt. Das ist Ökozid", prangerten die Aktivist:innen an.

Präsident Andrés Manuel López Obrador bezeichnete das 1.554 Kilometer lange Eisenbahn-Projekt dagegen als weltweit einzigartig: "Nicht einmal die Chinesen, mit ihren riesigen Bau-Konstruktionen, waren in der Lage, Vergleichbares wie den Tren Maya zu bauen", sagte er in einem Interview.