Rassismus in Dominikanischer Republik nimmt zu, Vorwürfe gegen Minister

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2018 hat die Dominikanische Republik 132.322 Migranten abgeschoben oder an den Grenzen zurückgewiesen
2018 hat die Dominikanische Republik 132.322 Migranten abgeschoben oder an den Grenzen zurückgewiesen

Santo Domingo. Die Einwanderungsbehörde der Dominikanischen Republik hat berichtet, dass im vergangenen Jahr mehr als 130.000 Migranten an den Grenzen abgewiesen oder abgeschoben wurden. Dieser Trend ging laut Beobachtern mit einer zunehmenden Ausländerfeindlichkeit einher. Zudem sollen Illegale Einwanderer aus Haiti  als billige Landarbeiter von staatlichen Stellen heimlich zu den Einsatzgebieten gebracht worden seien.

Im vergangenen Jahr hat die Dominikanische Republik, der Nachbarstaat Haitis, insgesamt 132.322 Migranten entweder direkt abgeschoben oder an den Grenzen zurückgewiesen. Dabei handelte es sich um Einwanderer aus 35 Ländern aller Kontinente. Die größte Gruppe aber machten mit gut 57.000 Personen haitianische Wanderarbeiteraus. Sie würden die Normen des Einwanderungsgesetzes nicht erfüllen, heißt es von offizieller Seite.

Der dominikanische Innenminister José Ramón Fadul erklärte am 10. Januar, sein Land habe international anerkannte Vorschriften für die Integration von Einwanderern verabschiedet. Sie würde nach einem mehrstufigen Plan erfolgen. Doch nun komme es darauf an, das Gesetz auch anzuwenden und die Menschenrechte der Migranten zu respektieren.

Fadul kritisierte die in den vergangenen Monaten verstärkt auftretenden feindseligen Handlungen gegen illegale Einwanderer aus Haiti seitens Teilen der Bevölkerung. Die um sich greifende aggressive und verächtliche Haltung sei verwerflich. Haiti besitze zwar nicht den gleichen Lebensstandard wie die Dominikanische Republik. Doch das bedeute nicht, dass die Haitianer Menschen zweiter Klasse seien, sagte Fadul.

Der Journalist und ehemalige Konsul der Dominikanischen Republik in Haiti, José Abreu, wirft indes dem dominikanischen Verteidigungsminister Rubén Darío Paulino Sem vor, in den Handel mit billigen Arbeitskräften aus Haiti verwickelt zu sein. Er habe seit 2012 Aufgabenbereiche betreut, um den Menschenhandel zu verhindern und strafrechtlich zu verfolgen. Doch seien die Zahlen haitianischer Einwanderer seit seinem Amtsantritt in die Zehntausende angewachsen. Paulino Sem wurde 2012 Chef der Armee, übernahm 2014 die Leitung der Einwanderungsbehörde und wurde 2016 zum Verteidigungsminister ernannt.

Der Ex-Konsul sagte, dass die Armee in Zusammenspiel mit der Einwanderungsbehörde und dem Gesundheitswesen schon seit Jahrzehnten Landwirtschaftskonzerne mit Arbeitern aus Haiti versorgt. Organisationen in Haiti würden in den Grenzgebieten Haitianer für die Arbeit auf den dominikanischen Großplantagen rekrutieren. Sie würden nachts in Booten auf die dominikanische Seite gebracht und dort in Auffanglagern von Ärzten auf Tropenkrankheiten untersucht und geimpft. Militärs versorgten sie dann mit Ausweisen. Im Schutz der Dunkelheit würden sie in Bussen zu ihren Einsatzorten auf dem Lande gefahren, so Abreu.

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