Proteste nach Gruppenvergewaltigung in Ecuador

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Protest wegen Gewalt gegen Frauen in Ecuador
Protest wegen Gewalt gegen Frauen in Ecuador

Quito. Nach dem schockierenden Fall einer Gruppenvergewaltigung in Ecuadors Hauptstadt Quito haben am Sonntag mehrere tausend Menschen an einer Demonstration zum Schutz von Frauenrechten teilgenommen. Sie stand unter dem Motto "Todos Somos Martha" (Wir sind alle Martha).

Martha, ein Pseudonym zum Schutz des Opfers, wollte am 13. Januar im Norden der Stadt ihren 35. Geburtstag feiern. Am späten Nachmittag wurde das Opfer blutig, nackt und sediert im Badezimmer des Restaurants gefunden, in dem die Feier stattfand. Die Polizei nahm drei alkoholisierte Männer fest, die auf Ihren Mobiltelefonen Bilder und Videos von der Vergewaltigung hatten. Laut dem Anwalt des Opfers, Christian Arellano, ermittelt nun Staatsanwaltschaft. Die drei Verdächtigen befinden sich mittlerweile im Gefängnis von Latacunga. Ihnen droht eine Haftstrafe von bis zu 22 Jahren.

Bisher wurden zwei Solidaritätsmärsche für Sonntag und Montag einberufen. Die Organisatoren der Proteste fordern von den Behörden Gerechtigkeit und vorbeugende Maßnahmen gegen Sexualdelikte. Aktivisten und Politiker verschiedenster Parteien verurteilten in sozialen Medien die Tat und riefen zur Solidarität auf, nachdem das Opfer zwei Tage lang im Krankenhaus behandelt werden musste.

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Tausende Menschen nahmen an dem Protestzug am Sonntag in Quito, Ecuador, teil
Tausende Menschen nahmen an dem Protestzug am Sonntag in Quito, Ecuador, teil

Gewalt gegen Frauen in Ecuador ist keine Seltenheit. Sechs von zehn Frauen haben in ihrem Leben eine Form von geschlechtsspezifischer Gewalt erlebt. Auch sexuelle Übergriffe gehören zum Alltag. Eine von zehn Frauen erlebt sexuelle Gewalt vor Ihrem achtzehnten Lebensjahr. Die meisten Fälle betreffen Altersgruppen zwischen zwölf und sechzehn Jahren. Allerdings wird sexueller Missbrauch nur in 15 Prozent aller Fälle gemeldet, dazu trägt nach Einschätzung von Beobachtern auch das Versagen der Behörden bei. Nur 35 Prozent der Fälle werden strafrechtlich verfolgt.

In Ecuador sind Frauenrechtsorganisation – wie auch in anderen Teilen Lateinamerikas – auf dem Vormarsch. Das Parlament des Landes debattiert zur Zeit Abtreibungen in Fällen von Vergewaltigung, Inzest und schweren Missbildungen des Fötus, nachdem lokale Organisationen weitaus mehr als die benötigten 5.000 Unterschriften für die Änderung des Strafgesetzbuchs gesammelt haben. Der Petition zufolge wurden in den letzten zehn Jahren 128.995 Mädchen nach Vergewaltigungen zwischen 15 und 19 Jahren schwanger. Im selben Zeitraum seien weitere 20.052 Mädchen unter 14 Jahren vergewaltigt und zur Geburt gezwungen worden. Laut einem Bericht der Nationalen Koalition der Frauen von Ecuador wurden 250 Frauen wegen Abtreibungsversuchen inhaftiert. Erst im Jahr 2014 wurden die Sanktionen bei Abtreibung oder versuchter Abtreibung im Strafgesetzbuch verschärft.

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