Rassistischer Mob gegen Venezolaner in Ecuador

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Übergriffe gegen Venezolaner in Ibarra, Ecuador (Screenshot)
Übergriffe gegen Venezolaner in Ibarra, Ecuador (Screenshot)

Ibarra, Ecuador. In der ecuadorianischen Stadt Ibarra haben Einwohner Anfang der Woche ein Lager venezolanischer Migranten angegriffen, nachdem nationale Medien über die Ermordung einer 22-Jährigen schwangeren Frau durch ihren Partner berichteten. Die venezolanische Nationalität des Täters wurde dabei in den Mittelpunkt gestellt.

Die 22-jährige Diana Carolina R. war im vierten Monat schwanger. Nach einem stundenlangen Geiseldrama wurde sie von Ihrem Lebensgefährten mit einem Messer attackiert und verstarb wenige Stunden später im Krankenhaus an ihren Verletzungen.

Eine spontane Demonstration in der späteren Nacht entwickelte sich daraufhin zu einem Mob gegen venezolanische Migranten. Angeheizt von fremdenfeindlichen Tendenzen marschierte der Mob zum zentralen Park der Stadt und brannte ein Lager von Venezolanern nieder. Mehrere Venezolaner mussten Schutz bei der Polizei suchen, nachdem der Mob Menschen durch die Straßen jagte.

Auch am folgenden Tag kam es zu weiteren Gewaltakten gegen venezolanische Migranten. Mehrere Zufluchtsorte wurden gestürmt, das Eigentum wie Matratzen und Kleidung auf offener Straße verbrannt.

Jose Miguel Vivanco, Regionaldirektor der US-Organisation Human Rights Watch, kritisierte den ecuadorianischen Präsidenten Lenín Moreno scharf. Er hielt Moreno vor, Hysterie und Fremdenfeindlichkeit zu verbreiten, nachdem dieser in einem Tweet die Nationalität des Täters in den Vordergrund gestellt hatte.

Der Femizid folgte auf ein weiteres tragisches Ereignis in der ecuadorianischen Hauptstadt. Am 13. Januar war eine 35-jährige Frau an ihrem Geburtstag in einem Restaurant unter Drogen gesetzt und im Badezimmer von drei Männern vergewaltigt worden. Das Opfer musste daraufhin für mehrere Stunden in einem Krankenhaus behandelt werden. Der Fall bekam von der Regierung allerdings wenig Aufmerksamkeit.

Frauenrechtsorganisation riefen am vergangenen Montag zu Kundgebungen in Quito und in der Hafenstadt Guayaquil auf. Tausende Teilnehmer demonstrierten gegen Femizid und Fremdenfeindlichkeit. Sie machten Medien und Politik für die Ausschreitungen in Ibarra verantwortlich.

Auch Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza meldete sich nach den Ausschreitungen zu Wort. Arreaza kritisierte die seiner Meinung nach fremdenfeindlichen Maßnahmen der ecuadorianischen Regierung und bezeichnete die Übergriffe als einen systematischen Angriff auf die in Ecuador lebenden Venezolaner.

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