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Unmut in Mexiko über Deal mit Nestlé

Kaffeebauern lehnen Abkommen von Amlo ab. Negative Erfahrungen auch mit Starbucks und anderen Unternehmen

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Kaffeebauern in Mexiko befürchten mehr Ausbeutung und Armut durch den Deal mit Nestlé
Kaffeebauern in Mexiko befürchten mehr Ausbeutung und Armut durch den Deal mit Nestlé

Mexiko-Stadt. Der vom mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (Amlo) verkündete Deal mit dem Schweizer Unternehmen Nestlé wird von Kaffeebauern massiv kritisiert. Wie López Obrador im Dezember vergangenen Jahres bekanntgab, will der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern eine 154 Millionen-US-Dollar teure Produktionsstätte im für Kaffeeanbau bekannten Bundesstaat Veracruz errichten. Dort sollen künftig 20.000 Tonnen Kaffee jährlich verarbeitet werden und 10.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Kleinbauern-Vereinigungen protestieren gegen das Vorhaben und prangern an, dass Nestlé in Mexiko und weltweit seit Jahrzehnten Arbeiter ausbeute. Regionale Kaffeebauernorganisationen verweisen auch auf Erfahrungen, die mit anderen transnationalen Unternehmen wie Starbucks gemacht worden waren. Sie kritisierten zudem, dass die Interessen der Kleinbauern nicht in Betracht gezogen würden.

Die Vereinigung "Plan de Ayala National Coordinator" verlautbarte, dass es sich zwar um eine Millioneninvestition handle, die Kaffeebauern aber nicht davon profitieren würden. "Ginge es Nestlé darum, die Kaffeebauern aus der Armut zu holen, würden wir dahinter stehen", heißt es in einer Presseerklärung. "Aber wir wissen, dass sie in der Vergangenheit bereits zur Ausbeutung von Arbeitern beigetragen haben."

Auch der Sprecher des Kaffee-Regionalrats in Coatepec, Cirilo Elotlán Díaz, argumentierte in einer Pressemitteilung in eine ähnliche Richtung. Er kritisierte, der Nestlé-Plan widerspreche López Obradors Ankündigungen, die lokale Produktion zu unterstützen. Während der Präsident die Millioneninvestition als Errungenschaft pries, würden im Budget für 2019 gleichzeitig neun Programme zur Förderung von Kleinbauern gekürzt.

Die Nichtregierungsorganisation "Educa" veröffentlichte auf ihrer Website einen halbstündigen Audiobeitrag unter dem Titel "Der dunkle und bittere Beigeschmack des Nestlé-Plans". Darin wird ausgeführt, dass der Konzern den Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen fördere, um den Ertrag zu erhöhen – dies gehe auf Kosten der Qualität und der Umwelt. In mehreren Videos wird zudem ausführlich über die Lebens- und Arbeitsbedingungen und den Widerstand der Kaffeebauern berichtet.

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