Chile / Umwelt

Regenfälle im Norden von Chile, Anwohner befürchten Naturkatastohe

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Eingestürzte Straße in Calama
Eingestürzte Straße in Calama

Atacama, Chile. In der im Norden Chiles gelegenen Atacamawüste, der trockensten Region der Welt, regnet es seit etwas mehr als einer Woche. Häuser sind überschwemmt, Straßen eingebrochen. Die Stadt Calama war mehr als 7 Tage ohne Leitungswasser und die Stromversorgung funktionierte nur unregelmäßig. Für die Bevölkerung ist die Situation beängstigend, sie klagt, sie sei von der Zentralregierung alleine gelassen worden und müsste nun unter härtesten Bedingungen leben.

Das Klima im südamerikanischen Land äußert sich zurzeit in seinen extremsten Formen: In Santiago und im Süden Chiles herrschen Höchsttemperaturen von über 40°C, Waldbrände zerstören ganze Landstriche. Im Norden jedoch kam der "bolivianische Winter" bis in weite Teile der Atacamawüste und richtet großen Schaden in Andennähe an. Der "bolivianische Winter" ist ein Tiefdruckgebiet, das aus dem Amazonasbecken kommend normalerweise nach Bolivien zieht und dort für starke Regenfälle sorgt.

Die Regierung reagierte nur schleppend auf die Katastrophe. Der Bürgermeister von Calama, der mit etwa 160.000 Einwohner am stärksten betroffenen Ortschaft, war über die schwierigsten Tag im Urlaub. Auch der Präsident Sebastián Piñera verhielt sich tagelang nicht zur Katastrophe. Erst als am 7. Februar die größte chilenische Kupfermine Chuquicamata von den Regenfällen betroffen war, lenkte die Regierung ein und deklarierte die nördlichen Regionen zum Katastrophengebiet. "Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon über 5 Tage kein Leitungswasser", kritisierte Dayana Rodríguez, eine Studentin aus Calama, gegenüber Amerika21. "Für Santiago und die chilenische Elite sind unsere Regionen erst wichtig, wenn es die Minenproduktion angeht, vorher sind wir denen vollkommen egal."

Mittlerweile sind mindestens sechs Menschen gestorben und der Tourismus sowie der Bergbau, die größten Einkommensquellen der Regionen, stehen still. Laut der Regierung sind mittlerweile etwa 1300 Häuser von den Regenfällen teilweise zerstört worden, davon 1000 in und um Calama und 300 weitere in der Küstenstadt Iquique. Auch wenn mittlerweile die Autobahn in den Norden tagsüber wieder geöffnet ist und die meisten Stadtteile von Calama wieder Leitungswasser haben, ist die Katastrophe noch nicht vorbei. Für manche Gebiete wurden für die kommenden Tagen weitere Regenfälle vorhergesagt. Unter anderem in der für seinen Tourismus bekannten Ortschaft San Pedro de Atacama. Rodríguez erzählt außerdem, die Bevölkerung fürchte nun, dass mit Minenabfall gefüllte Staudämme brechen könnten. Dabei wäre eine Katastrophe wie in Brasilien vor wenigen Wochen zu erwarten.

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