Druck auf mexikanische Regierung nach Tod eines weiteren Journalisten

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Männer halten Banner gegen die Gewalt an Journalisten
Seit Jahren demonstrieren Journalisten in Mexiko gegen die steigende Zahl an gewaltsamen Übergriffen

Mexiko-Stadt. Nach dem mutmaßlichen Mord an einem Sportreporter im nordwestlichen Bundesstaat Sinaloa hat die Regierung mit einem Statusbericht über die nationale Schutzinstanz für Journalisten und Menschenrechtsaktivisten reagiert. Die Behörden hatten zunächst von einem Unfall gesprochen und damit Gegenwind durch Medienvertreter im ganzen Land provoziert. Diese fordern eine schnelle und umfassende Aufklärung.

Omar Iván Camacho war am vergangenen Sonntag unter einer Autobahnbrücke in der Gemeinde Salvador Alvarado leblos aufgefunden worden. Die Untersuchungen zum Fall haben begonnen, die genauen Todesumstände bleiben bisher jedoch unklar. Aktuellen Medienberichten zufolge wurde er erschlagen. Camacho ist damit der siebte Journalist, der seit dem Amtsantritt von Präsident Andrés Manuel López Obrador im Dezember 2018 gewaltsam sein Leben ließ. In der gleichen Zeit wurden ebenfalls neun Tötungsdelikte an Menschenrechtsaktivisten verzeichnet.

Aus gegebenem Anlass stellte der Menschenrechtssekretär, Alejandro Encinas, den Sicherheitsmechanismus für Journalisten und Menschanrechtsaktivisten in der wöchentlichen Pressekonferenz der Regierung am vergangenen Montag vor. Er wies darauf hin, dass landesweit bereits 709 Personen durch die Instanz betreut würden. Diese Regierungsinstanz, die im Jahr 2012 gegründet wurde, dient bei beruflich bedingten Bedrohungen dem Schutz von Medienschaffenden und Menschenrechtsvertretern. Jedoch räumt der Regierungsvertreter Lücken ein, etwa bei der technologischen Ausstattung. Man habe bereits eine Aufstockung der finanziellen Ressourcen um 75 Millionen Pesos beantragt, so Encinas.

Der Journalistenverband "7 de Junio" fordert Aufklärung für diesen und andere ungeklärte Fälle bei denen Medienvertreter ermordet wurden oder verschwanden. Der Vorsitzende Alejandro Sicarios Rivas erinnerte daran, dass auch im Fall des bekannten Journalisten Javier Valdez seit zwei Jahren keine Ermittlungsfortschritte zu verzeichnen seien. Dem erneuten Angriff auf die Presse sei mit einer schnellen und umfangreichen Untersuchung entgegenzutreten.

Erst Anfang des Monats hatte die Nichtregierungsorganisation ARTICLE 19 einen Bericht zur Menschenrechtslage bei Journalisten vorgelegt. Demnach gelten seit dem Jahr 2000 mindestens 123 Journalisten als ermordet und seit 2003 zusätzlich mindestens 24 als vermisst.

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