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Fluss Cauca in Kolumbien erhält den Status einer juristischen Person

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Der Fluss Cauca nahe Popayán, Kolumbien
Der Fluss Cauca nahe Popayán, Kolumbien

Medellín. Der Oberste Gerichtshof (Tribunal Superior) von Medellín hat dem Fluss Cauca, seiner Quelle und seinen Zuflüssen den Status einer Rechtsperson zugesprochen. Der zweitwichtigste Fluss Kolumbiens, der mehr als 130 Gemeinden in sieben Departements durchquert, hat nun gewisse Rechte bezüglich Schutz, Erhaltung, Unterhalt und Restauration. Der Staat wird die entsprechende gesetzliche Vertretung des Flusses in Zusammenarbeit mit den betroffenen Dorfgemeinschaften wahrnehmen.

Der Entscheid des Gerichtshofs wird als historisch eingestuft. Dabei ist der Aspekt "Inter Comunis" besonders hervorzuheben: Das Urteil ist auch auf die betroffenen Personen und Dorfgemeinschaften und die umliegenden Gebiete des Flusses anwendbar. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Grundrechte der künftigen Generationen geschützt werden müssen: dies sind Würde, Recht auf Wasser, Nahrungssicherheit und eine intakte Umwelt. Analog zum Fluss Atrato, der ebenfalls den Status einer juristischen Person hat, soll zudem ein Gremium von "Flusswächtern" (Guardianes del río) gewählt werden.

Nachdem in einer ersten Instanz die Grundrechtsklage des Senators Juan Luis Castro von der Grünen Allianz (Allianza Verde) und des Aktivisten Diego David Ochoa abgewiesen wurde, hat die zweite Instanz in Medellín nun für die Anliegen der Kläger entschieden. Die Klage beinhaltet insbesondere den tiefen Wasserstand des Flusses, der durch den großen Staudamm Hidroituango im Februar dieses Jahres verursacht wurde (Amerika21 berichtete).

Die Reaktionen auf das Gerichtsurteil fielen seitens der Zivilgesellschaft positiv aus. Für die Umweltaktivistin Diana Giraldo ist das Gerichtsurteil eine gute Nachricht. Für sie ist klar, dass die vorgesehenen Flusswächter sehr notwendig sind. In dem Gremium müssten jedoch mehr als lediglich zwei Vertreter der Dorfgemeinschaften teilnehmen, so Giraldo, die betroffene Bevölkerung umfasse mehr als 130.000 Menschen.

Auch die Nationale Organisation der Indigenen Völker Kolumbiens (Organización Nacional Indígena de Colombia) ist der Meinung, dass nun mehr juristische und politische Möglichkeit bestünden, "die Mutter Erde und die Territorien der Ahnen zu verteidigen".

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