Vier Generäle wegen Korruption in Kolumbien abgesetzt

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Teile der kolumbianischen Militärführung, hier in der Mitte Präsident Iván Duque, stehen stark unter Druck
Teile der kolumbianischen Militärführung, hier in der Mitte Präsident Iván Duque, stehen stark unter Druck

Bogotá. Nachdem der Ruf der kolumbianischen Armee unter mehreren Korruptionsenthüllungen der Medien stark gelitten hatte, hat Verteidigungsminister Guillermo Botero die Absetzung von vier Generälen angekündigt. Einer davon war der zweite Oberkommandierende der Armee, Adelmo Fajardo. Wegen der in Medien veröffentlichten Skandale aufgrund einer Hexenjagd in der Armee auf Whistleblower, die vor der Rückkehr illegaler Hinrichtungen von Zivilisten gewarnt hatten, hat das Militär bislang jedoch keinen Offizier sanktioniert.

Die Absetzung von Fajardo erfolgt, nachdem die Wochenzeitung Semana vor zwei Wochen enthüllt hatte, dass der General seine Untergebenen dazu gedrängt hatte, Geld für seine privaten Ausgaben zu besorgen. Neben Fajardo hat das Militär die Generäle César Parra, Juan Vicente Trujillo und Francisco Cruz abgesetzt. Gegen Parra gibt es Vorwürfe wegen Geldveruntreuung und gegen Trujillo und Cruz Vorwürfe wegen Verwicklungen in Fällen illegaler Hinrichtungen von Zivilisten. General Jorge Romero, der nach Informationen von Semana illegal Waffenscheine verkauft hat, hat das Militär unmittelbar nach der publik gewordenen Enthüllung aus der Armee entfernt.

Laut Semana sei die Kündigung der vier Generäle durch die Regierung von Iván Duque und das Militär eine "verzweifelte Entscheidung, um zu versuchen, den Sturm innerhalb der Armee zu dämpfen". Oppositionelle und Menschenrechtler hatten davor kritisiert, dass der Oberkommandant der Armee, Nicacio Martínez, seinen Posten, auf den er Ende 2018 befördert wurde, trotz der Vorwürfe nicht aufgibt. Offiziere hatten der New York Times (NYT) anonym über den Befehl von Martínez berichtet, die Tötung von Feinden zu verdoppeln. Der General hat ebenso den Fehlerspielraum bei der Bestimmung militärischer Ziele von 10 auf 40 Prozent erhöht und zur Erhöhung der Angriffshäufigkeit von Militäreinheiten gedrängt. Ebenso hat das Militär unter dem Kommando von Martínez zu einer Zusammenarbeit mit paramilitärischen Drogenbanden aufgerufen.

Menschenrechtler befürchten, dass die Anweisungen von Martínez zu einer Rückkehr der illegalen Tötung von Zivilisten führen könnten. Unter Präsident Álvaro Uribe (2002-2010) haben die Sicherheitskräfte schätzungsweise 10.000 Zivilisten getötet, um sie als gefallene Guerilleros zu präsentieren (sogenannte falsos positivos). Außerdem soll Martínez über das korrupte Verhalten von Fajardo und Romero seit langem im Bilde sein, jedoch bis zu den Veröffentlichungen von Semana keine Maßnahmen getroffen haben.

Nach den NYT-Enthüllungen soll das Militär eine Hexenjagd gegen die anonymen Quellen der US-Zeitung gestartet haben. Einige Offiziere prangerten ebenso illegale Beschattungen und Morddrohungen gegen sie an. General Eduardo Quirós, Leiter der Unterstützungstruppe des militärischen Nachrichtendienstes (Cacim), hat laut Zeugen aus dem Militär 100 Millionen Pesos (circa 30.000 Euro) für die Denunziation der Whistleblower angeboten. Davor hatte die Armee auf Anordnung von Martínez und Quirós einige Offiziere einem Lügendetektortest unterzogen.

Die Regierungskoalition hat entgegen aller Kritiken Martínez als Oberkommandant der Armee im Juni ratifiziert. Quirós soll unverändert im Nachrichtendienst der Armee aktiv sein, obwohl Verteidigungsminister Botero angekündigt hatte, ihn zu versetzten.

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