Brasilien: 300 Morde an Umweltaktivisten im Amazonasgebiet

Human Rights Watch kritisiert illegalen Holzschlag am Amazonas. Kriminelle Gruppen für Morde verantwortlich

amazonas_brasilien_2019_schutz_umweltaktivisten.jpg

Weil sie die Amazonasregion schützen wollten, wurden in Brasilien 300 Aktivisten ermordet
Weil sie die Amazonasregion schützen wollten, wurden in Brasilien 300 Aktivisten ermordet

Brasilia. Die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch (HRW) macht kriminelle Organisationen für den illegalen Holzeinschlag und -handel in Brasilien verantwortlich. Diese beschleunigten nicht nur die Abholzung des Regenwaldes, sondern bedrohten und töteten auch Personen, die sich ihnen in den Weg stellten.

Laut dem 165 Seiten langen Bericht von HRW, "Regenwald-Mafias. Wie Gewalt und Straflosigkeit die Entwaldung in Brasilens Amazonasgebiet befeuern", stehen hinter der illegalen Abholzung des Regenwaldes oft kriminelle Gruppen und Netzwerke, die in der Lage sind, den Holzeinschlag, den Transport sowie den Verkauf von Holz im großen Stil zu organisieren. Abgesehen von der Verwertung des Holzes zielen die Rodungen häufig auch nur auf eine Nutzbarmachung des Landes für die Landwirtschaft ab. Um bei ihren illegalen Geschäften nicht gestört zu werden, setzen die mafiösen Gruppierungen auf bewaffnete Strukturen.

Im Amazonas wurden laut HRW in den letzten zehn Jahren mehr als 300 Menschen in Folge von Land- und Ressourcenkonflikten getötet. Die meisten von Ihnen waren Aktivisten, die sich für den Schutz von Natur und Umwelt eingesetzt haben, während die Täter vielfach in die illegale Abholzung verwickelt waren. Von den über 300 Tötungsdelikten kamen lediglich 14 vor Gericht. In der Regel werde also niemand für die Verbrechen zur Rechenschaft gezogen. Wie Mitarbeiter der Polizei gegenüber HRW aussagten, liege das unter anderem daran, dass die Verbrechen oft in abgelegenen Regionen und weit entfernt vom nächsten Polizeiposten geschehen. HRW weist in der Studie aber darauf hin, dass in mehreren von ihr untersuchten Fällen auch Menschen in urbanen Zentren getötet wurden.

Für den Bericht, der von verschiedenen internationalen Medien aufgegriffen wurde, hat die NGO seit 2017 mehr als 170 Interviews geführt. Darunter waren 60 Personen, die von Holzfällern angegriffen oder bedroht wurden. Die Informationen zu den mehr als 300 Tötungsdelikten erhielt HRW von der Pastoralen Landkommission, deren Anwälte diese Fälle seit 2009 registrieren. Das Problem des illegalen Holzeinschlags und der Gewalt, die damit einhergeht, existierte schon vor der Amtszeit des aktuellen Präsidenten Jair Bolsonaro. Mit der Schwächung von Umweltschutzgesetzen und fortwährender Kritik an NGO, die sich für den Erhalt des Regenwaldes einsetzen, trägt er aber zu einer Verschärfung des Konflikts bei.

Amazonien umfasst laut aktueller Studien etwa 61 Prozent des brasilianischen Staatsgebiets und stellt den größten zusammenhängenden Tropenwald der Erde dar. In der Region befinden sich 98 Prozent des indigenen Landes, 77 Prozent der Naturschutzgebiete und dazu Ländereien der afrobrasilianischen Quilombolas. Alles zusammen macht sie 32 Prozent der brasilianischen Landfläche aus. Die Region, die ungefähr ein Fünftel des Süßwassers der Welt führt, lagert in ihren reichen Wäldern und Böden substantielle Mengen an Kohlenstoff, die sich andernfalls in der Atmosphäre anreichern und zur globalen Erwärmung beitragen würden. Außerdem ist sie Lebensraum für tausende Spezies, die für die Wissenschaft und die Menschheit von Interesse sind.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr