Proteste in Ecuador wegen Parlamentsentscheid gegen Legalisierung von Abtreibung

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Das Kollektiv Surkuna ist Teil der Protestierenden für legale Abtreibung
Das Kollektiv Surkuna ist Teil der Protestierenden für legale Abtreibung

Quito. In Ecuador ist es zu Auseinandersetzungen zwischen demonstrierenden Frauen und der Polizei gekommen. Auslöser war die Entscheidung der Nationalversammlung, Abtreibung in Fällen von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt nicht zu entkriminalisieren.

Am Mittwochabend fehlten im Parlament fünf von den notwendigen 70 Stimmen, um den Entwurf in einem Gesetz verankern zu können. 65 Abgeordnete stimmten für den Vorschlag, 59 dagegen, 6 enthielten sich und 7 waren abwesend. Mit der Gesetzesvorlage sollte lediglich in Fällen von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt sowie in Fällen von schweren Missbildungen des Fötus eine legale Abtreibung ermöglicht werden.

Als das Ergebnis bekanntgegeben wurde, eskalierte die Situation vor dem Parlament. Demonstrierende Frauen versuchten die Barrieren um das Gebäude zu überwinden. Sie skandierten unter anderem: "Wenn der Papst Frau wäre, wäre Abtreibung legal". Die Abtreibungsbefürworterinnen zündeten Fackeln an. Die Polizei setzte Tränengas und Pfefferspray ein, um die Frauen von den Barrieren um das Parlament herum fernzuhalten.

Bernarda Freire, feministische Aktivistin, äußerte gegenüber der Presse: "Die Vorurteile der Abgeordneten sind stärker als die Würde vergewaltigter Frauen und Mädchen." Ana Cristina Vera, eine der Protestierenden, sprach von "systematischer Folter" seitens des Staates: "Mädchen zu vergewaltigen und dann zu zwingen, ein Kind zu bekommen, ist ein Verbrechen". Zudem wurde betont, dass Abtreibung ein Thema der sozialen Schichten sei: Die reichen Familien lassen Abtreibungen in den USA durchführen, während von der Kriminalisierung die armen Frauen betroffen sind.

Die Aktivistin und Rechtsanwältin Cecilia Espinosa kündigte an, dass der Kampf für legale Abtreibung damit noch lange nicht beendet sei, sondern "nur etwas länger dauern wird" und dass "neue politische und rechtliche Strategien entwickelt" werden müssten. Espinosa und eine Gruppe schwarz gekleideter Frauen hatten vor dem Parlament Fotos der 59 Abgeordneten aufgehängt, die gegen die Initiative stimmten. Nach dem Entscheid warfen sie rote Farbe auf die Bilder.

In Sichtweite demonstrierten auch Abtreibungsgegner, die aus Freude über die Entscheidung jubelten.

In den letzten Jahren wurden in Ecuador 387 Gerichtsverfahren gegen Frauen wegen Abtreibungen eröffnet. Täglich werden mindestens sieben Fälle von sexueller Gewalt gegen Mädchen gemeldet. Nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen sind bei sieben von zehn Vergewaltigungen Mädchen die Opfer. 80 Prozent der Fälle sind das Ergebnis von Inzest. In dem südamerikanischen Land ist eine Abtreibung nur dann erlaubt, wenn die Mutter in Lebensgefahr ist. Abtreibung wird mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe für die Frauen geahndet. Wenn eine Frau bei einer illegalen Abtreibung stirbt, können die durchführenden Personen mit bis zu 16 Jahren Haft bestraft werden.

In Argentinien, Chile und vielen mexikanischen Staaten wird die Abtreibung teilweise entkriminalisiert. In Kuba, Guyana, Französisch-Guayana, Puerto Rico und Uruguay sind in den ersten Schwangerschaftswochen Abtreibungen uneingeschränkt legal. In El Salvador, Honduras, Nicaragua und Haiti ist Abtreibung in keinem Fall erlaubt.

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