Brasilien / Venezuela / Politik

Brasiliens Ex-Präsident Lula gegen ausländische Einmischung in Venezuela

lula_venezuela_kolumbien_brasilien_2019.jpg

Lula könnte nach einem Gerichtsentscheid schon in den kommenden Stunden freikommen
Lula könnte nach einem Gerichtsentscheid schon in den kommenden Stunden freikommen

Curitiba. Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich mit deutlichen Worten gegen eine ausländische Einmischung in Venezuela ausgesprochen. In einem Interview mit dem russischen Fernsehsender RT kritisierte Lula jene Staaten, die Venezuelas gewählten Präsidenten Nicolás Maduro stürzen wollen.

"Ich bin nicht einverstanden mit der US-amerikanischen Einmischung, der brasilianischen Einmischung, der kolumbianischen Einmischung. Ich bin gegen jegliche Einmischung, da es sich um ein souveränes Land handelt", sagte der ehemalige Staatschef. Den venezolanischen Parlamentspräsidenten Juan Guaidó, der versucht gegen Maduro zu putschen und sich selber zum "Interimspräsidenten" ausgerufen hat, bezeichnete Lula als eine "Erfindung" fremder Staaten und als eine "Lüge".

Lula, der zurzeit im Gefängnis von Curitiba eine langjährige Haftstrafe verbüsst, äußerte sich auch zur brasilianischen Politik. Er kritisierte erneut seine Verurteilung wegen Korruption, die auf keinerlei Beweisen basiere. Im Rahmen der als "Lava Jato" (Autowäsche) bezeichneten Untersuchung habe sich "die polizeiliche Untersuchung in eine parteipolitische Operation verwandelt", um zu verhindern, dass Lula erneut Präsident Brasiliens werde.

Der Ex-Staatschef erklärte auch, weshalb er ein Angebot zum halboffenen Strafvollzug bei einer Strafzahlung von rund 1,25 Millionen US-Dollar ablehne. "Ich bin nicht gegen meine Freiheit. Wenn es etwas gibt, das ich will, ist es, nach Hause zu gehen und mit meinen Kindern und meiner Familie zu leben." Er wolle aber das Gefängnis erst verlassen, nachdem seine Unschuld hunderprozentig bewiesen sei. Dann sei es an "jenen, die das brasilianische Volk belogen haben", sich ihrerseits einem Prozess zu unterziehen.

Mit der Politik der aktuellen Regierung unter dem rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro ging Lula hart ins Gericht: "Mit Präsidenten, welche den USA die Stiefel lecken, wie es Fernando Henrique Cardoso mit Clinton tat und wie es Bolsonaro mit Trump tut, kommt das Land nicht voran." Brasilien müsse seine Souveränität zurückgewinnen, forderte Lula. Er betonte, dass neue Schritte hin zu einer stärkeren regionalen Intergration Lateinamerikas möglich seien. Entscheidend dafür seien auch die anstehenden Präsidentschaftswahlen in Argentinien, Uruguay und Bolivien, "die uns erlauben werden, weiter von der Schaffung eines starken wirtschaflichen und politischen Blocks in Südamerika zu träumen", so Lula.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr