Kolumbien: Präsident Duque blamiert sich bei UNO mit Bilder-Fake gegen Venezuela

Fotos der ELN-Guerilla im Nachbarstaat erweisen sich als falsch. Agentur AFP dementiert Duque. Auch Rebellen traten Darstellung entgegen

duque_un_versammlung_dossier.jpg

Kolumbiens Präsident Iván Duque zeigt bei der UNO ein Dossier mit "stichhaltigen Beweisen" gegen Venezuela
Kolumbiens Präsident Iván Duque zeigt bei der UNO ein Dossier mit "stichhaltigen Beweisen" gegen Venezuela

Bogotá. Internationale Medien und kolumbianische Quellen haben die Authentizität von vier Fotos widerlegt, mit denen Präsident Iván Duque bei der jüngsten 74. UN-Generalversammlung in New York die Präsenz der ELN-Guerilla in Venezuela beweisen wollte. Die Fotos sind demnach nicht in Venezuela sondern in Kolumbien aufgenommen worden, stellten die kolumbianische Zeitung El Colombiano und die Agence France-Press (AFP) richtig. Die Bilder sind Teil eines Dossiers, das Duque UN-Generalsekretär António Guterres überreicht hat. Das 128-seitige Dokument belege, so Duque, "die Komplizenschaft von [Venezuelas] Präsident Nicolás Maduro mit den Terror-Kartellen, die die kolumbianische Bevölkerung angreifen".

Auf dem ersten umstrittenen Foto sieht man Guerilleros der Nationalen Befreiungsarmee (Ejército de Liberación Nacional, ELN ), die Hand in Hand mit Kindern im Kreis spielen. Der Text zur Aufnahme führt aus, es belege, wie die ELN im April 2018 in ländliche Schulen des venezolanischen Teilstaates Táchira eingedrungen ist, um die Minderjährigen zu indoktrinieren. Nachdem Duque das Foto über den Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte, schrieb El Colombiano, die Redaktion habe es im Jahr 2015 vom militärischen Nachrichtendienst erhalten. Damals bebilderte die Zeitung damit eine Reportage über die ELN-Rekrutierung im südwestlichen Verwaltungsbezirk Cauca.

Daraufhin rechtfertigte sich Duque, das Foto sei nur "sinnbildlich", und nannte die venezolanische Nichtregierungsorganisation (NGO) Fundaredes als Quelle. Laut dem Sprecher von Fundaredes, Javier Tarazona, hat die NGO das Bild von einer Lehrerein aus Táchira im Jahr 2013 bekommen. Venezolanische Reporter versicherten jedoch gegenüber El Colombiano, dass die NGO mehrmals nicht belegte Informationen veröffentlicht hat. Zum Beispiel habe Tarazona ohne Beweise behauptet, dass 16.000 Venezolaner zu den ELN-Truppen gehörten.

Auch die ELN hat sich zu dem ersten umstrittenen Foto geäußert. Laut Rebellenkommandanten alias "Uriel" handelt es sich um das Standbild eines Videos, das Guerilleros im südwestlichen Departamento Nariño zwischen 2001 und 2003 gedreht haben. Die Entfernung zwischen Nariño und Táchira sei so groß wie die Lügen der kolumbianischen Regierung, so „Uriels“ ironischer Kommentar.

Das zweite zweifelhafte Foto des Dossiers zeigt eine Hütte im Wald mit Graffitis der ELN. Es stammt aus dem September 2018. Das Bild soll ein Massaker im venezolanischen Bundesstaat Bolívar veranschaulichen, das eine Folge von Auseinandersetzungen zwischen der ELN und venezolanischen Banden, den sogenannten Pranes, gewesen sein soll. Der AFP-Fotograf Luis Robayo hat das Foto inzwischen jedoch als eine seiner eigenen Aufnahmen identifiziert. Er habe es in der kolumbianischen Region Catatumbo im Oktober 2018 geschossen.

Bislang sind insgesamt drei AFP-Fotos aus Duques Dossier über die angebliche Präsenz der ELN in Venezuela als Agenturaufnahmen aus Kolumbien bestätigt worden. Neben der Hütte aus Catatumbo zeigen die anderen zwei Bilder jeweils eine Kämpferin im Departamento Chocó und Farc-Dissidenten im Departamento Guaviare. Ein Vertreter des Verteidigungsministeriums habe sich telefonisch bei der AFP entschuldigt, berichtet die Nachrichtenagentur. Sie merkt an, dass das Dossier noch nicht komplett veröffentlicht worden ist.

Die Vizepräsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, bezeichnete Duque bei ihrer Rede vor der UN-Generalversammlung als einen "sehr schlechten Lügner". Es sei "ein Zeichen der Respektlosigkeit gegenüber der UN-Versammlung, vor ihr so zu lügen", so Rodríguez. Auch aus Kolumbien kam Kritik: "Ein Präsident darf nicht lügen, am allerwenigsten vor der internationalen Gemeinschaft", sagte der Wirtschaftsrechtsprofessor und Jurist Alfredo Rey.

Als Folge des Skandals hat der Leiter des militärischen Nachrichtendienstes, General Oswaldo Peña Bermeo, seinen Posten gekündigt. Die Regierung besteht jedoch weiterhin darauf, dass das Dossier richtige Informationen über die Unterstützung der venezolanischen Regierung für die ELN beinhaltet.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr