Fast zwei Millionen Menschen protestieren in Chile gegen Regierung Piñera

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Protest gegen die Regierung von Sebastián Piñera in Chile
Protest gegen die Regierung von Sebastián Piñera in Chile

Santiago de Chile. Am Freitag sind in Chile fast zwei Millionen Menschen, also fast zehn Prozent der Bevölkerung, auf die Straße gegangen, um gegen die Regierung von Präsident Sebastián Piñera und die Austeritätspolitik zu demonstrieren. Allein in der Hauptstadt Santiago beteiligten sich nach Behördenangaben 1,2 Millionen Personen an den Protesten. Zu Massenprotesten kam es auch in Valparaíso und anderen Städten des Landes.

Nach den anhaltenden Demonstrationen der letzten Woche – darunter einem zweitägigen Generalstreik – riefen Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen für Freitag zu "La marcha más grande de Chile" (Die größte Demonstration Chiles) auf. Sie sollten Recht behalten. In den letzten 30 Jahren – seit der Rückkehr zur Demokratie – protestierten noch nie so viele Menschen im dem südamerikanischen Land.

In Santiago de Chile versammelten sich die Demonstrierenden an der Plaza Italia, einem der zentralen Orte der Hauptstadt, der auch in den Tagen zuvor bereits Zentrum der Proteste war. Auf einer gewaltigen chilenischen Flagge war die Kernbotschaften der vergangenen Tage zu lesen: "Chile Despertó!" (Chile ist aufgewacht). Und: "No estamos en guerra!" (Wir befinden uns nicht im Krieg). Die zweite Losung bezieht sich auf eine Äußerung des rechtskonservativen Präsidenten Piñera, der sich angesichts der Proteste in einem "Krieg gegen einen mächtigen Feind" wähnte und die Armee mobilisierte.

Das genaue Ausmaß der jüngsten Proteste nun ist selbst auf Videos aus der Luft nur schwer auszumachen. Eine unübersichtliche Menschenmenge füllt die ganze Stadt, Plätze, Straßen und Zugangsrouten.

Zu den zentralen Forderungen gehören: das Ende des Ausnahmezustands, der Rücktritt der Regierung sowie die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung zur Ablösung der noch aus der Diktatur von General Augusto Pinochet (1973-1990) stammenden Verfassung.

Trotz der überwiegend friedlichen Demonstration sollen Sicherheitskräfte an verschiedenen Orten Wasserwerfer und Tränengas gegen die Protestierenden eingesetzt haben. Auch für die Nacht auf Samstag wurde erneut eine Ausgangssperre für Santiago und andere Teile des Landes verhängt. Der Ausnahmezustand bleibt weiter bestehen.

Am Wochenende sind Solidaritätskundgebungen mit den Protesten unter anderem in Frankfurt am Main und Berlin geplant.

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