Brasilien / Politik

Leaks belegen, Cambrige Analytica wollte Wahl in Brasilien beeinflussen

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Der Abgeordnete und Präsidentensohn Eduardo Bolsonaro bei einem Treffen mit Steve Bannon im Juni 2018 in New York
Der Abgeordnete und Präsidentensohn Eduardo Bolsonaro bei einem Treffen mit Steve Bannon im Juni 2018 in New York

Brasília/London. Wie jüngst bekannt wurde, hat das ehemalige Datenanalyse-Unternehmen Cambrige Analytica auch versucht, auf die brasilianische Präsidentschaftswahl 2018 Einfluss zu nehmen. Wie aus der Veröffentlichung von E-Mails aus einem Datensatz von rund 100.000 Dateien hervorgeht, war es im Vorwahlkampf zu Gesprächen zwischen Cambrige Analytica und einem bisher unbekannten Präsidentschaftskandidaten gekommen.

Die nun veröffentlichten E-Mails aus dem Zeitraum Mai 2016 bis Januar 2017 zeigen die Größe der Ambitionen von Cambrige Analytica, sich in Brasilien einzumischen: "In den nächsten 18 Monaten werden wir 28 politische Kampagnen und mindestens 84 Kandidaten mit einem Budget von rund zwei Millionen Reais (damals 450.000 Euro) haben. Ganz zu schweigen von den Verträgen mit der Bundesregierung und den 27 Bundesstaaten", schreibt Pedro Vizeu-Pinheiro, brasilianischer Direktor der SCL Gruppe, der Firma, die Cambrige Analytica kontrollierte, am 29. September 2016.

Obwohl es nichts Neues ist, dass Cambrige Analytica Verhandlungen geführt hat, um sich in Brasilien mit dem Ziel niederzulassen, seine Dienste für Meinungsmanipulation anzubieten, bezeugen die nun veröffentlichten E-Mails ein Treffen mit einem Kandidaten für die Präsidentschaft. Der Name wird aber nicht genannt. Aus den Dateien geht ferner hervor, wie Vizeu-Pinheiro in den Jahren 2016 und 2017 versuchte, brasilianische Politiker zu kooptieren. Zudem kam es zu einem Treffen mit der damaligen britischen General-Konsulin, Joana Crellin, in São Paulo.

Derzeit gibt es keine weiteren Erkenntnisse über eine Vertiefung des Engagements von Cambrige Analytica in Brasilien. Eher scheinen die Bemühungen, in dem südamerikanischen Land Fuß zu fassen, ein "Fehlschlag" gewesen zu sein, schreibt das Nachrichtenportal UOL.

Alle von Cambrige Analytica verwendeten Methoden wurden jedoch vom Kampagnenteam des späteren Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro, eingesetzt. Der Wahlkampf 2018 war im Wesentlichen durch die massive Verbreitung falscher Informationen gekennzeichnet. Die Manipulationsmethoden des Teams Bolsonaros basierten auf den Praktiken des 2013 gegründeten Unternehmens Cambrige Analytica.

Die jüngste Veröffentlichung der Dokumente begann am Neujahrstag auf einem anonymen Twitter-Account namens @HindsightFiles, mit Links zu Material über Wahlen in Malaysia, Kenia und Brasilien. Die Dokumente sollen von Brittany Kaiser, einer ehemaligen Mitarbeiterin von Cambridge Analytica stammen, die zur Whistleblowerin wurde.

Das 2018 insolvent gegangene britisch-US-amerikanische Unternehmen war wegen seiner Manipulationen von Wählermeinungen im US-Wahlkampf zugunsten von Donald Trump in die negativen Schlagzeilen gekommen. Bei den US-amerikanischen Wahlen 2016 nutzte der Rassist Steve Bannon – ein persönlicher Freund der Familie Bolsonaro – die Methoden, um die Kampagne von Donald Trump zu beeinflussen. Im März 2018 war bekannt geworden, dass Cambrige Analytica bereits 2014 über die Facebook-Profile von etwa 50 Millionen US-Bürgern verfügte.

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