Keine Gelder gegen Corona: Ministerin in Ecuador tritt zurück

ecuador_catalina_andramunos_ministerin_corona_pandemie_krise_covid_19_ruecktritt.jpg

Aus Protest gegen Corona-Politik in Ecuador zurückgetreten: Catalina Andramuños
Aus Protest gegen Corona-Politik in Ecuador zurückgetreten: Catalina Andramuños

Quito. Ecuadors Gesundheitsministerin Catalina Andramuños ist am Freitag überraschend zurückgetreten. Als Grund gab sie an, die Regierung von Präsident Lenín Moreno habe ihr nicht die notwendigen Ressourcen zum Kampf gegen die Pandemie des neuartigen Coronavirus SARS-nCo-2 bewilligt. Ecuador ist im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern bereits besonders stark von der Pandemie betroffen. Am 22. März wurden 532 Fälle bestätigt und es gab sieben Tote. Außerdem gibt es 870 weitere Verdachtsfälle. Ihrem Rücktrittsschreiben an Moreno fügte Andramuños ein Schreiben hinzu, wonach das Ministerium keine zusätzlichen Haushaltsmittel erhalten hat, um der Corona-Krise zu begegnen.

Die Politikerin kritisierte auch, dass verschiedene Regierungsvertreter ohne Kenntnisse in Gesundheitsfragen versuchten, ihre Position zum Umgang mit der Krise durchzusetzen. "Während der Corona-Krise stießen die technischen und medizinischen Empfehlungen bei vielen Regierungsstellen nicht auf Gehör. Vor diesem Hintergrund bin ich auch nicht einverstanden mit den Auflagen von Beamten, die keine Kenntnisse über die öffentliche Gesundheit und die Realität dieser Situation haben." Finanzminister Richard Martinez widersprach umgehend auf Twitter und verwies auf ein Interview, in dem Andramuños davon spricht, die nötigen Mittel erhalten zu haben. Es handelt sich allerdings um ein Interview aus dem Januar, als sich die Lage in Ecuador noch völlig anders darstellte.

Die Regierungen der am Forum für den Fortschritt Südamerikas (Prosur) beteiligten Länder Argentinien, Brasilien, Boliven, Chile, Ecuador, Kolumbien, Paraguay, Peru und Uruguay hatten unlängst eine enge Zusammenarbeit zur Eindämmung der Corona-Pandemie vereinbart. Das linksregierte Venezuela wurde dabei ausgeschlossen.

Zu den Absprachen gehört nach Angaben der chilenischen Regierung unter anderem, die Grenzen der Mitgliedsländer "koordiniert und wirksam zu schützen" und den Personenverkehr zu kontrollieren. Die Rückkehr der Staatsbürger in ihre jeweiligen Länder soll erleichtert werden. Diese Maßnahmen sollen präventiv gegen die weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus dienen, so Chiles Präsident Sebastian Piñera nach einer Videokonferenz mit seinen Amtskollegen und dem brasilianischen Außenminister am Montag. Chile hat derzeit die Präsidentschaft in dem Regionalbündnis inne. Mehreren beteiligten Staaten, vor allem Brasilien, wird Untätigkeit im Umgang mit der Krise vorgeworfen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr