Erneut Anführer der Guajajará-Indigenen in Brasilien getötet

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Zezico Guajajará, Aktivist und Lehrer, ist der fünfte Anführer der Guajajará, der innerhalb von nur fünf Monaten ermordet wurde
Zezico Guajajará, Aktivist und Lehrer, ist der fünfte Anführer der Guajajará, der innerhalb von nur fünf Monaten ermordet wurde

Maranhão. Im nordöstlichen Bundesstaat Maranhão in Brasilien ist Rodrigues Zezico Guajajará in der Nähe des Dorfes Zutiua von Unbekannten ermordet worden. Damit wurde bereits der fünfte Anführer der Guajajará-Indigenen innerhalb von nur fünf Monaten umgebracht.

Zezico Guajajara hatte die fortschreitende Okkupation des Amazonasgebiets durch illegalen Bergbau und Holzfäller angeprangert. Er war als Lehrer einer öffentlichen Schule tätig und leitete die indigene Schule von Azurú im Amazonasdorf Arame, das im indigenen Territorium der Arariboia-Ethnie liegt.

Dem Menschenrechtssekretariat des Bundesstaates Maranhão zufolge wurde seine Leiche mit tödlichen Schussverletzungen auf der Zufahrtsstraße zu seinem Reservat aufgefunden. Der Mord wurde auch von Sonia Guajajará bestätigt, einer der Anführerinnen der ethnischen Gruppe des Amazonas und Vizepräsidentschaftskandidatin der Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL) bei den Wahlen 2018.

Die genauen Motive und Umstände des Verbrechens sind bislang unbekannt. Der 47-Jährige hatte zuvor formelle Beschwerden bei der Bundespolizei und der dem Justizministerium unterstehenden Nationalen Indigenenbehörde eingereicht, weil er wiederholt Morddrohungen erhielt.

Das Verbrechen geschah im Araribóia-Gebiet, einem 413.000 Hektar großen Reservat, das von etwa 12.000 Indigenen dreier verschiedener Ethnien, darunter die Guajajará, geteilt wird und in dem es immer wieder zu Konflikten zwischen den Bewohnern und Holzfällern kommt. Nach Angaben der Gesellschaft für Menschenrechte Maranhãos wurden dabei von 2016 bis Ende letzten Jahres 13 Indigene allein in diesem Reservat getötet.

Einem dieser Konflikte fiel im November 2019 Paulo Paulino Guajajará zum Opfer, ein Mitglied der "Wächter des Waldes". Diese Gruppe von Indigenen hat sich weltweit einen Namen gemacht, weil sie sich dem Schutz Amazoniens widmen. Der 26-jährige starb in einem Hinterhalt von Holzfällern, die einige Tage zuvor von den "Wächtern" aus dem Reservat vertrieben worden waren. Drei weitere Morde an Angehörigen der Guajajará wurden im Dezember in der Tierra Indigena Brava Guajajará ebenfalls in Maranhão verzeichnet.

Die Gewalt gegen die Guajajará hatte die Regierung dazu veranlasst, Mitglieder der Nationalen Öffentlichen Sicherheitstruppe, einer Eliteeinheit der Polizei, in die Region zu entsenden, um die Sicherheit in den indigenen Gebieten zu verstärken. Ihre Präsenz wurde im Februar um weitere 90 Tage verlängert, konzentriert sich aber nur auf das Land der Cana Brava Guajajará-Indianer.

Seit mehreren Jahren sind die indigenen Reservate von Maranhão Ziel von Angriffen illegaler Landkäufer und Holzfäller. Dies geht aus Berichten von Menschenrechtsorganisationen hervor, die zudem die Straflosigkeit dieser Verbrechen und die Passivität der brasilianischen Behörden anprangern.

Laut Indigenem Missionsrat der katholischen Bischofskonferenz (CIMI) haben die Invasionen in indigenes Land in ganz Brasilien seit Januar 2019, als der Ultrarechte Jair Bolsonaro Präsident wurde, um fast 44 Prozent zugenommen. Bolsonaro hat vor kurzem den Bergbau auf indigenem Land genehmigt.

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