Kolumbien: Staatliche Sicherheitskräfte attackieren Kokabauern

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Die Soldaten sollen den mobilisierten Kleinbauern mitgeteilt haben, sie hätten den Befehl, sie zu töten
Die Soldaten sollen den mobilisierten Kleinbauern mitgeteilt haben, sie hätten den Befehl, sie zu töten

Bogotá. Zwölf Verletzte und mehrere Verschwundene sind das Ergebnis mehrerer Angriffe der Sicherheitskräfte auf Kleinbauern der Region Bajo Guayabero in der Gemeinde Vista Hermosa.

Als 1.500 Bauern auf eine Regierungsdelegation warteten, um Existenzalternativen zum Kokaanbau zu besprechen, sollen Einheiten der Marine, Luftwaffe und des Heeres sowie der Drogenbekämpfungsabteilung und der Aufstandsbekämpfungseinheit der Polizei (Esmad) in das Gebiet einmarschiert sein. Nach Angaben von Gemeindemitgliedern attackierte diese kombinierte Einsatzgruppe namens Omega die Kokabauern mit Blendgranaten, Gummigeschossen und Gewehrschüssen, weil sie sich gegen die gewaltsame Zerstörung ihrer Kokapflanzungen auflehnen.

Nachdem bereits Ende Mai ein Einsatztrupp der Armee in die Zone einmarschiert sein soll, sei es laut den Einwohnern seitdem immer wieder zu Angriffen aus Helikoptern gekommen. Einer der Schwerverletzten durch einen Angriff in der letzten Woche ist Fernando Montes, ein kleinbäuerlicher Journalist der Basis-Nachrichtenagentur Stimmen aus Guayabero (Voces del Guayabero). Seine Hand und seine Kamera wurden durch ein Geschoss zerschmettert. Seine Mitstreiter vermuten, dass es postierte Scharfschützen gab.

Zudem meldeten die Kokabauern nach dem Einsatz mehrere Vermisste. Als sie sich in der Nacht auf den Weg machten, die Verschwundenen zu suchen, wurden sie nach eigenen Angaben von der Armee erneut beschossen. Bislang hören die Drangsalierungen gegen die Kleinbauerngemeinden nicht auf. Omega-Offiziere zerstörten laut der Gemeinde wiederholt Kokafelder, brannten Wohnungen nieder und nahmen Einwohner fest. Die Soldaten sollen außerdem den mobilisierten Kleinbauern mitgeteilt haben, sie hätten den Befehl, sie zu töten.

Die kolumbianischen Leitmedien verbreiteten die Version des Omega-Kommandeurs General Raúl Flórez, laut der die Armee Opfer von Attacken der Kokaauern in Bajo Guayabero geworden sei. Flórez versicherte, dass die bewaffnete Struktur des Farc-Dissidenten Gentil Duarte die lokalen Einwohner dazu zwänge, die Truppe anzugreifen.

Die Kokabauerngemeinden von Bajo Guayabero leben in der Region seit 40 Jahren. Sie wurden in das "Programm zum freiwilligen Ersatz von Feldfrüchten mit illegaler Nutzung" (PNIS) aufgenommen. Das PNIS ist Teil des Friedensabkommens zwischen dem Staat und der demobilisierten Farc-Guerrilla. Die Regierung des rechtskonservativen Präsidenten Iván Duque hat allerdings das PNIS de facto eingestellt. Die gewaltsame Zerstörung der Kokafelder sei laut Stimmen aus Guayabero eine Strategie, die Kleinbauern zu vertreiben und ihre Ländereien für Megaprojekte der Erdöl- und Tourismusindustrie sowie für Finanzgeschäfte zu übergeben. Die Basisorganisation kritisiert zudem, dass die großen Drogengeschäfte unberührt blieben, während die Kokabauern Ziel von Repression sind.

Der gewaltsame Einsatz der Streitkräfte in Bajo Guayabero ist kein Einzelfall. Die Zone gehört zu einem der Kokagebiete, in denen das Militär seit Anfang der Quarantäne im März besonders aggressiv eingedrungen ist. Im nordwestlichen Catatumbo an der Grenze zu Venezuela, im nördlichen Bajo Cauca und in den südlichen Departamentos Caquetá und Tumaco haben die Angriffe der Armee und der Polizei in den letzten Monaten mehrere Verletzte und drei Tote hinterlassen. Es handelt sich gleichzeitig um die Zonen, in denen US-Offiziere der Spezialeinheit U.S. Security Force Assistance Brigade (SFAB) das kolumbianische Militär im Rahmen einer umstrittenen Antidrogenmission unterstützen sollen. Der koordinierte Einsatzverband Omega gehört zu den Militäreinheiten, die direkt von den US-SFAB-Offizieren betreut wird.

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