Kolumbien

Repression gegen Kokabauern in Kolumbien hinterlässt weiteren Toten

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Mit 13.000 Angehörigen der Sicherheitskräfte gehört Tumaco zu den am stärksten militarisierten Gebieten Südamerikas
Mit 13.000 Angehörigen der Sicherheitskräfte gehört Tumaco zu den am stärksten militarisierten Gebieten Südamerikas

Bogotá. Im pazifischen Tumaco ist Segundo Girón, ein junger Kleinbauer, während eines Angriffs der Antidrogen-Polizeieinheit erschossen worden. Er war Teil einer Gruppe von Kokabauernfamilien, die sich der Polizei in den Weg gestellt haben, als diese ihre Kokasträucher, ihre einzige Existenzgrundlage, vernichten wollte. Laut der dortigen Gemeinde sei der tödliche Schuss von der Polizei gekommen. Girón gehört zu einer langen Reihe von Ermordeten in diesem Jahr. Der Januar war mit 30 getöteten Sozialaktiven der blutigste Monat für Oppositionelle in den letzten fünf Jahren. Unter den Ermordeten der letzten Januarwoche sind auch zwei kommunale Ex-Kandidaten der linken Bewegung "Menschliches Kolumbien" (Colombia Humana).

Die gewaltsame Vernichtung von Kokasträuchern durch die Sicherheitskräfte hat in Tumaco bereits in der Vergangenheit zu Todesfällen geführt. Im Oktober 2017 hat die Polizei sieben Kokabauern getötet und 25 verletzt. Tumaco ist nach der Entwaffnung der Farc-Guerilla zu einer der tödlichsten Regionen der Welt geworden. Drogenmafias haben die ehemaligen Farc-Gebiete besetzt. Heute hat dieser Landkreis die größte Kokaanbaufläche landesweit. Mit 13.000 Angehörigen der Sicherheitskräfte gehört die Region zu den am stärksten militarisierten Gebieten Südamerikas. Trotzdem gehören sogenannten "Hackhäuser", also Wohnungen, in denen Menschen zerstückelt werden, sowie Zwangsrekrutierungen von Minderjährigen in Drogenstrukturen und Vergewaltigungen längst zum Alltag in Tumaco.

Besonders stark leiden darunter die Gemeinderäte (Consejos Comunitarios) und Gemeinschaften, die im Rahmen des Friedensvertrags ins Programm zum freiwilligen "Ersatz von Feldfrüchten mit illegaler Nutzung" (PNIS) aufgenommen wurden. Es sind circa 16.000 von 55.000 Familien, deren Existenz auf dem Kokaanbau basiert. Ihnen versprach das Friedensabkommen logistische und finanzielle Unterstützung beim Ersatz von Koka- durch Lebensmittelanbau. Die Regierung Duque führt nur minimal das PNIS durch und gibt der Zwangsvernichtung der Kokapflanzen den Vorrang.

Die Kokabauern, die sich für das PNIS einsetzen, werden nun vielfach von den Sicherheitskräften drangsaliert und von den Drogenmafias zu militärischen Zielen erklärt. Die meisten Vertreter der Gemeinschaftsräte sowie Sprecher der lokalen indigenen AWA-Gemeinden, Aktivisten zur Landrückgabe, Vorsitzende der Gemeindeorganisationen und Angehörige der linken Bewegung "Menschliches Kolumbien" werden laut mehrerern Berichten in Tumaco ständig mit dem Tod bedroht.

Unter Duque sind bis Ende Dezember 347 Angehörige der sozialen Bewegungen und Oppositionelle ermordet worden. In diesem Jahr sind es bislang 33, einer pro Tag, sowie sieben demobilisierte Ex-Farc-Kämpfer.

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