Mexiko / Soziales

Diabetes und Covid-19 in Mexiko: Oaxaca verbietet Verkauf von Junk-Food an Minderjährige

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Die Ernährung ist gerade zu Zeiten der Corona-Pandemie von großer Bedeutung. Der Bundesstaat Oaxaca wurde nun aktiv und verbietet Junk-Food für Minderjährige
Die Ernährung ist gerade zu Zeiten der Corona-Pandemie von großer Bedeutung. Der Bundesstaat Oaxaca wurde nun aktiv und verbietet Junk-Food für Minderjährige

Oaxaca. Im mexikanischen Bundestaat Oaxaca wird der Verkauf von Süßgetränken und Junk-Food an Minderjährige untersagt. Das lokale Parlament verabschiedete in dieser Woche mit 31 von 32 Stimmen eine Gesetzesvorlage, mit der Fettleibigkeit und Diabetes in der Bevölkerung reduziert werden sollen. Die Bewerbung und der Verkauf von Junk-Food in kleinen und großen Läden sowie vor und in den Schulen wird somit strafbar. Das Gesetz, eine Initiative der Abgeordneten Magaly López Domínguez von der linken Partei Morena, wurde unterstützt von 73 NGOs.

Im Vorfeld hatten sich Unternehmerverbände vehement gegen die Vorlage zur Wehr gesetzt. Dieselben Stimmen aus der Wirtschaft wehrten sich im Frühjahr bereits vergebens gegen landesweite klare Warnhinweise auf den Verpackungen über die gesundheitsschädlichen Folgen ihrer Produkte.

Hugo López-Gatell, der Leiter des Unterstaatssekretariats für Prävention und Gesundheitsförderung im mexikanischen Gesundheitsministerium, der in täglichen Pressekonferenzen die Covid-19-Strategie der mexikanischen Regierung vertritt, begrüßte auf Twitter umgehend das neue Gesetz als einen Fortschritt in der Gesundheitsprävention. López-Gatell weist in den Pressekonferenzen schon seit längerer Zeit auf das gesundheitliche Problem der Fehlernährung hin und macht insbesondere Unternehmen des Lebensmittelsektors dafür mitverantwortlich, dass Mexiko zusammen mit den USA nicht nur den höchsten Konsum von Junk-Food hat, sondern auch die größte Diabetesrate der Welt. Die mexikanischen Kinder leiden weltweit am meisten an Adipositas.

Mexikos Bevölkerung ist seit Inkrafttreten des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) im Jahre 1994 von zunehmender Fehlernährung betroffen. Ein "monströses Überangebot" von überzuckerten, fettigen und salzigen Produkten ist für annähernd die Hälfte aller natürlichen Todesfälle verantwortlich, warnte López-Gatell im April. Diese auch armutsbedingte Fehlernährung ist der Grund für eine erhöhte Anfälligkeit der Mexikaner, bei einer Covid-19-Infektion einen schweren Verlauf der Krankheit zu erleiden, wovor auch die WHO warnte.

Gemäß Daten der Universität UNAM litten 44 Prozent der verstorbenen Covid-19-Patienten in Mexiko unter Bluthochdruck, 38 Prozent hatten Diabetes. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt mit 61 Jahren um Jahrzehnte unter demjenigen in europäischen Ländern, was hauptsächlich auf diese Vorerkrankungen zurückzuführen ist. In Mexiko wurden seit dem ersten Todesfall am 18. März bisher rund 50.000 Menschen registriert, die an oder mit Covid-19 verstarben. Jedoch dürfte die Dunkelziffer gemäß lokaler Sterberegister um ein Vielfaches höher liegen. So verzeichnete beispielweise die zapotekische Stadt Juchitán nach Angaben lokaler Behörden 130 Todesfälle aufgrund des Coronavirus im Monat Juli, doch in der Statistik der Gesundheitsbehörden Oaxacas ist die Gemeinde mit bloß 31 bestätigten Todesfällen gelistet.

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