Impfstoff gegen Covid-19: Argentinien und Mexiko produzieren für Lateinamerika

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Präsident Fernández bei der Pressekonferenz. Links Gesundheitsminister García, rechts die Staatssekretärin für Gesundheitszugang, Carla Vizzotti
Präsident Fernández bei der Pressekonferenz. Links Gesundheitsminister García, rechts die Staatssekretärin für Gesundheitszugang, Carla Vizzotti

Buenos Aires. Das schwedisch-britische Pharmaunternehmen AstraZeneca hat einer Kooperation mit der mexikanischen Stiftung Carlos Slim für die Produktion des Impfstoffes AZD1222 gegen Sars-CoV-2 zugestimmt. Dies gab Argentiniens Präsident Alberto Fernández auf einer Pressekonferenz bekannt. Argentinien wird demnach für die Herstellung und Mexiko für die Verpackung und Verteilung verantwortlich sein. Damit könnten sich die lateinamerikanischen Staaten, mit Ausnahme von Brasilien, bis zu 250 Millionen Dosen des Impfstoffes sichern.

Die "Fundación Carlos Slim" gehört dem gleichnamigen mexikanischen Unternehmer, einem der laut Forbes reichsten Männer der Welt.

Das argentinische Forschungslabor mAbxience soll den Wirkstoff herstellen und von AstraZeneca und der Oxford Universität hierfür mit der nötigen Technologie ausgestattet werden.

Fernández beschrieb diese Entwicklung als eine große Herausforderung für die nationale Industrie und wertete sie zugleich als eine Qualitätsanerkennung der argentinischen Wissenschaftslabore. Die Möglichkeit einer lokalen Produktion werde auch den Preis senken. Berechnungen zufolge würde eine Dosis zwischen drei und vier US-Dollar kosten, so der Präsident.

Auch Gesundheitsminister Ginés González García zeigte sich zufrieden mit der Übereinkunft und fügte eine Prognose im globalen Vergleich hinzu, nach der die Injektion einer Dosis des Wirkstoffes bereits 91 Prozent, die doppelte Dosis sogar 100 Prozent Immunität gegen das Virus gewährleiste.

Mexikos Außenminister Marcelo Ebrard stellte eine "universelle und kostenlose Versorgung der Bevölkerung" mit dem Impfstoff in Aussicht, die die Produktion vorort nun ermögliche. Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador gab sich ebenfalls zuversichtlich: Das Abkommen mache Hoffnung auf ein baldiges Ende der Ungewissheit und eine bessere Zukunft.

Den Erfolg von AZD1222 belegen die Testergebnisse einer klinischen Studie, die am 20. Juli in britischen Medizin-Zeitschrift The Lancet veröffentlicht wurden. Von den 1.077 freiwillig getesteten Briten zwischen 18 und 55 Jahren wurden in den allermeisten Fällen keine Nebenwirkungen beschrieben. Vereinzelt wurde Fieber als Folge der Impfung beklagt. In der aktuell laufenden dritten Testphase werden Freiwillige aus Brasilien, Großbritannien, Südafrika und den USA getestet.

Nach Angaben der WHO wurden bislang mehr als 165 Wirkstoffe weltweit getestet. Russland erweist sich derzeit als Vorreiter im Wettbewerb um die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19. Es ist zu vermuten, dass es bis 2021 nicht den einen Impfstoff, sondern mehrere geben wird.

Aufgrund der weiter vorherrschenden Ungewissheit hält sich die argentinische Regierung alle Türen offen. Präsident Fernández betonte seine Bereitschaft für jegliche Kooperation, die eine Lösung der Krise in Aussicht stellt. Auch wenn die Zusammenarbeit mit AstraZeneca und der Oxford Universität bislang als die vielversprechendste gilt, sei dies weder die einzige noch die letzte Verhandlung, die das Land unternehme, so Gesundheitsminister García.

Argentinien verzeichnet aktuell 294.556 bestätigte Infektionen und 5.703 Todesfälle. In Mexiko sind es 522.162 Infizierte, 56.757 Menschen starben mit oder an dem Virus (Stand: 17. August).

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