Ecuador / Politik

Ecuador: Andrés Arauz und Rafael Correa sollen bei Präsidentschaftswahl antreten

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Haben früher schon gut zusammengearbeitet: Andrés Arauz (links) und Rafael Correa. Nun sollen sie bei den Präsidentschaftswahlen antreten
Haben früher schon gut zusammengearbeitet: Andrés Arauz (links) und Rafael Correa. Nun sollen sie bei den Präsidentschaftswahlen antreten

Quito. Das Linksbündnis "Union für die Hoffnung" (Unión por la Esperanza, Unes) hat seine Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen in Ecuador im Februar 2021 vorgestellt. In einer Video-Konferenz am Dienstag wurde der vielen unbekannte Andrés Arauz für das Präsidentenamt, Ex-Präsident Rafael Correa als Vizepräsident vorgeschlagen.

Der 35-jährige Arauz ist ein anerkannter Ökonom, der in den letzten Jahren an seiner Doktorarbeit an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko arbeitete. Zuvor hatte er während der Präsidentschaft Correas zahlreiche Ämter inne, unter anderem war er in leitender Position bei der Zentralbank, bei der staatlichen Planungsbehörde und im Wirtschaftsministerium. Zuletzt war er Minister für Wissen und menschliches Talent und hat als solcher die Bereiche Bildung, Kultur und Universitätswesen koordiniert.

Er gründete die Internetplattform Oberservatorio de Dolarisación und kritisierte immer wieder öffentlich die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Regierung Lenín Moreno durch wissenschaftliche Stellungnahmen zu den Kreditaufnahmen beim Internationalen Währungsfonds und der Verschuldungspolitik. Arauz ist darüber hinaus im Rat des Netzwerkes von Intellektuellen und Politikern Progressive International, in dem sich ehemalige Präsidenten wie Correa, Evo Morales (Bolivien), Lula da Silva (Brasilien) sowie Noam Chomsky, Yanis Varufakis, Naomi Klein und zahlreiche andere seit einigen Jahren organisieren. Auch ist er aktiv in der Puebla-Gruppe, in der sich linke und fortschrittliche Politiker vernetzen.

Arauz stellte in seiner Rede zur Kandidatur klar, dass er wieder zurück zur Politik der Regierung Correas will. Er sei sicher, dass das Bündnis Unes über die notwendigen Kenntnisse zur Bekämpfung der schweren Krisen im Land verfügt. Falls man die Wahlen gewinne, würde eine Wahrheitskommission eingerichtet, um die Repression während der Proteste im vergangenen Oktober ebenso wie die politische Verfolgung der "Correistas" aufzuklären. Auch die jüngsten Korruptionsfälle im Gesundheitsbereich sollen untersucht werden.

Nach den Vorgaben der Wahlbehörde müssen die Kandidaten bei sogenannten "primarias" der Parteien und Wahlbündnisse bestätigt werden. Dazu gehören auch die für das Parlament. Hier soll die Aktivistin der "Bürgerrevolution" und Schwester von Rafael Correa, Pierina Correa, die Liste anführen. Für das "Parlamento Andino" der Andengemeinschaft (Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru, Venezuela) schlägt Unes Veronica Arias vor, derzeit Abgeordnete für die Provinz Loja in der Nationalversammlung.

Sicher ist die Kandidatur Correas indes nicht. Falls es keine Änderung bei der Regelung zur Einschreibung der Kandidaten gibt, die persönlich vor Ort stattfinden soll, kann er nicht teilnehmen, da er in Belgien wohnt und bei der Einreise in Ecuador eine Verhaftung fürchten muss. Der Prozess gegen ihn ist noch in der Schwebe, die letzte mögliche juristische Entscheidung steht noch aus. Falls er sich jedoch in Brüssel einschreiben kann, würde für ihn eine Immunität gelten, da Kandidaten für Ämter nicht verhaftet werden dürfen.

Ein amerika21-Gespräch mit Andrés Arauz über die Folgen der Politik von Präsident Moreno finden Sie hier

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