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Fall Mancuso: Auslieferung nach Kolumbien noch unklar

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Salvatore Mancuso Gómez war eine führende Figur im Drogenhandel und in den paramilitärischen Strukturen von Kolumbien
Salvatore Mancuso Gómez war eine führende Figur im Drogenhandel und in den paramilitärischen Strukturen von Kolumbien

Washington/Bogotá. Die US-Regierung hat die ursprünglich für den 4. September vorgesehene Auslieferung des ehemaligen Anführers kolumbianischer Paramilitärs, Salvatore Mancuso, von den USA an Italien verworfen und statt dessen eine Überführung nach Kolumbien bestimmt. Im letzten Moment räumte die US-Justiz der Verteidigung von Mancuso nun einen Aufschub ein, damit diese ihre Argumente gegen eine Überstellung ihres Mandanten an die Justiz des südamerikanischen Landes vortragen kann. Mancuso hat eine zwölfjährige Haftstrafe in den USA verbüßt.

Seit Monaten verlangen kolumbianische Menschenrechtsorganisationen und Oppositionspolitiker, dass der ehemalige Paramilitär-Chef ausgeliefert wird, damit er von den Behörden in Kolumbien befragt werden und zur Mitarbeit bei der Aufklärung verschiedener Verbrechen aufgefordert werden kann. Kolumbien hatte bereits mehrmals die Auslieferung Mancusos beantragt, die bisherigen Gesuche blieben jedoch erfolglos.

Mancuso war im Jahr 2008 zusammen mit mehreren Anführern der Vereinigten Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens (Autodefensas Unidas de Colombia, AUC), einem Bündnis verschiedener Paramilitärs, wegen Drogenhandels an die USA ausgeliefert worden. Dies geschah zwei Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes "Gerechtigkeit und Frieden", welches die Demobilisierung der AUC zum Ziel hatte. Seinerzeit äußerten Beobachter die Meinung, dass es sich um den Versuch handelte, Aufklärung über die Zusammenarbeit von Paramilitärs mit hochrangigen Politikern und Unternehmern zu verhindern.

Der Paramilitär Salvatore Mancuso, Sohn eines italienischen Einwanderers und einer Kolumbianerin, besitzt auch die italienische Staatsbürgerschaft. Er war über Jahre Anführer des Catatumbo-Blocks der AUC, der im Nordosten des Landes aktiv war und für verschiedene Massaker und Vertreibungen verantwortlich ist. Die kolumbianische Justiz hat ihn für mehr als 1.500 Ermordungen und Vermisstenfälle verurteilt. Zwar sagte Mancuso in den USA bereits zu Allianzen zwischen Kongressabgeordneten und Paramilitärs sowie über die Massaker in El Aro, El Salado und Mapiripán aus, doch wird befürchtet, dass die Auslieferung nach Italien jeden Anreiz für eine Kollaboration mit den kolumbianischen Behörden zunichte machen würde.

Die US-amerikanische, international tätige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch betonte kürzlich die Schlüsselrolle von Mancuso für die Aufklärung der Verbrechen in Kolumbien.

Dessen Verteidigung erklärte, dass er im Falle einer Auslieferung nach Kolumbien um sein Leben fürchten müsse. Es wird erwartet, dass sie auf alle rechtlichen Mittel zurückgreift, damit ihr Mandant bei seiner Familie in den USA bleiben darf. Für den 16. September ist eine neue Anhörung vorgesehen.

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