Amazonasgebiet: Indigene Völker am stärksten von Covid-19 betroffen

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In Ecuador sind in indigenen Gemeinden 11.849 mit SARS-Cov-2 Infizierte und 330 Verstorbene bestätigt
In Ecuador sind in indigenen Gemeinden 11.849 mit SARS-Cov-2 Infizierte und 330 Verstorbene bestätigt

Lima. Bisher gibt es bereits mehr als 63.000 bestätigte Fälle von Covid-19 und 1.896 Tote unter den indigenen Gemeinden im Amazonasgebiet. Das geht aus dem letzten Bericht der Koordination der Indigenen Organisationen des Amazonasbeckens (Coica) und des Kirchlichen Netzwerks des Amazonasgebiets (Repam) hervor.

Allein im September seien mehr als 10.000 neue Fälle registriert worden, 260 Menschen mit oder an dem neuartigen Virus gestorben. Das Amazonasgebiet erstreckt sich insgesamt über neun südamerikanische Staaten und beheimatet hunderte von indigenen Gemeinschaften.

Die meisten Ansteckungen und Todesfälle gibt es demnach in Brasilien (24.866, 667 Tote); Kolumbien (16.135/ 577) und Peru (14.932/ 394). Es folgen Ecuador (11.849/ 330), Bolivien (3.438/ 131), Venezuela (693/ 23), sowie Guyana (95 Covid-Fälle), Surinam (76) und Französisch-Guayana (1 Todesfall).

Dem Bericht zufolge sind im ganzen Gebiet 238 indigene Völker von der Pandemie betroffen, davon allein in Brasilien 122. Die anderen leben in Peru (51 ), Bolivien (21), Kolumbien (11), Ecuador (10), Venezuela (10), Guyana (6), Surinam (6) und Französisch-Guayana (1).

Die Ansteckungs- und Sterberate unter ihnen ist überdurchschnittlich. Aufgrund ihrer weitgehenden Isolierung von der Außenwelt wird von einer geringen Immunabwehr gegenüber dem neuen Virus ausgegangen. Zudem mangelt es in der Region an wichtigen Lebensgrundlagen, wie dem Zugang zu Gesundheitsversorgung und sauberem Wasser.

Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (CIDH) weist darauf hin, dass vor allem Bergbau- und Infrastrukturprojekte sowie Rodungen im Amazonasgebiet, die häufig auch illegal durchgeführt werden, das Ansteckungsrisiko erhöhen, weil die indigenen Gemeinden dadurch in Kontakt mit Arbeitern kommen und die notwendigen Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden. Auch die Präsenz von bewaffneten Akteuren verschärfe die Situation.

Bereits im August baten lokale Vertretungen der Vereinten Nationen die internationale Gemeinschaft um mehr Solidarität mit den indigenen Gemeinden des Amazonas. Die CIDH forderte die Regierungen der Anrainerstaaten auf, mehr für Schutzmaßnahmen zu unternehmen. Es wird befürchtet, dass die Pandemie weitere schwere Verluste von Menschenleben verursacht und die Erhaltung von Wissen und Kultur der indigenen Völker stark gefährdet.

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