Chile: Prozess gegen Carabineros im Mordfall Catrillanca wird fortgesetzt

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Die Proteste gegen den Mord an Camilo Catrillanca gehen in ganz Chile weiter
Die Proteste gegen den Mord an Camilo Catrillanca gehen in ganz Chile weiter

Angol. Das Strafgericht in Angol, im Süden Chiles, setzt das mündliche Verfahren gegen sieben Angehörige der Militärpolizei, denen die Beteiligung am Mord des jungen Mapuche Camilo Catrillanca vorgeworfen wird, am 27. Oktober 2020 fort. Der Prozess war wegen der Covid-19-Pandemie am 17. März ausgesetzt worden. Das Gericht erklärte, es werde die Verhandlung "unter Anwendung einer Reihe von Hygienemaßnahmen" fortführen, "um die Gesundheit der Beteiligten zu sichern".

Neben den sieben Polizisten ist ein Anwalt der Militärpolizei Carabineros angeklagt. Für den Hauptangeklagten, den mittlerweile aus dem Dienst entfernten Polizisten Carlos Alarcón, der die tödlichen Schüsse auf Catrillanca abgegeben hat, fordert die Staatsanwaltschaft zehn Jahre Haft wegen einfachen, sowie fünf Jahre wegen versuchten Mordes an J.M.C.P., einem Jugendlichen, der Catrillanca begleitet hatte. Ein weiterer am Einsatz beteiligter Polizist, Raúl Ávila, soll sieben Jahre und 301 Tage ins Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, die Speicherkarte seiner Helmkamera nach dem Vorfall vorsätzlich zerstört, J.M.C.P. illegalerweise festgenommen sowie sich in der Folge der Ermittlungen und seiner Untersuchungshaft weiterer Vergehen schuldig gemacht zu haben.

Camilo Catrillanca war am 14. November 2018 auf dem Weg von der Feldarbeit mit einem Kopfschuss von hinten getötet worden. Die sich zu dem Zeitpunkt im Einsatz befindende und mittlerweile aufgelöste Spezialeinheit der Polizei "Dschungelkommando" hatte nach eigenen Angaben Autodiebe auf dem Gebiet der indigenen Mapuche-Gemeinde Temucuicui verfolgt. Zahlreiche Videoaufnahmen haben diese Aussage mittlerweile widerlegt (Amerika21 berichtete).

In Folge der Ermittlungen und Veröffentlichungen mussten mehrere hochrangige Polizisten und Politiker zurücktreten, da ihre Behauptungen als falsch aufgedeckt wurden. Die Ermordung Catrillancas hatte große Proteste in Chile ausgelöst, auch weil bei Durchsuchungen von der indigenen Gemeinden immer wieder Mapuche von der Polizei verletzt oder getötet wurden.

Erst im September hatte eine Polizeiaktion erneut für Empörung gesorgt: Bei einer Demonstration in Temuco verletzten sie die Mutter von Camilo Catrillanca schwer. Sie erblindete wegen des massiven Einsatzes von Pfefferspray zeitweilig. Darüber hinaus wurden ein 14-Jähriger und ein 17-Jähriger brutal festgenommen. Der 14-Jährige war Anfang September bei einer Durchsuchung in Collipulli von der Polizei misshandelt worden.

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