Kuba / Wirtschaft

Neuerungen in Kuba für ausländische Investoren

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Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca: Joint-Ventures mit ausländischer Mehrheitsbeteiligung werden akzeptiert
Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca: Joint-Ventures mit ausländischer Mehrheitsbeteiligung werden akzeptiert

Havanna. Kubas wichtigste Handelsmesse FIHAV konnte Corona-bedingt in diesem Jahr nicht stattfinden. Daher stellte Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca am Dienstag im Rahmen eines virtuellen Geschäftsforums die aktualisierte Ausgabe des kubanischen Portfolios für ausländische Investitionen zusammen mit weiteren Neuerungen auf dem Gebiet vor. An dem zweitägigen Online-Event nahmen nach Angaben des Ministeriums über 2.000 Firmen und Institutionen aus 93 Ländern teil.

Wie Malmierca in seiner Eröffnungsrede erklärte, sei der in Folge von US-Blockade und Corona-Pandemie verschärfte Liquiditätsmangel heute das größte Problem der kubanischen Wirtschaft. Kuba sei auf Investitionen angewiesen, um der Krise zu entkommen. Neben der im September geschaffenen zentralen Anlaufstelle (ventanilla única), mit der die Genehmigungsverfahren entbürokratisiert werden sollen, will das Land deshalb auch bei den Ausschreibungen neue Anreize schaffen.

So werden in den Bereichen Tourismus, Biotechnologie, Pharmazie und Großhandel künftig erstmals Joint Ventures mit ausländischer Mehrheitsbeteiligung akzeptiert. Bisher war vorgeschrieben, dass die kubanische Seite mindestens zu 50 Prozent an den gemischten Betrieben beteiligt ist. Diese Regel gilt weiterhin bei Investitionen zur Ausbeutung von Bodenschätzen und bei öffentlichen Dienstleistungen.

Als weitere Neuerung werden jetzt zusätzlich kleinere Projekte ausgeschrieben, mit denen neue Investitionsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) "sowie von im Ausland lebenden Kubanern" geschaffen werden sollen, so Malmierca. Im Rahmen der im Sommer vorgestellten neuen Wirtschaftsstrategie will das Land künftig verstärkt auch kleinere Investitionen ermöglichen, bei deren Umsetzung unter anderem auf die Exil-Gemeinde gesetzt wird.

Der aktualisierte Ausschreibungskatalog (Cartera de Oportunidades) für den Zeitraum 2020/21 umfasst insgesamt 503 Projekte mit einer Gesamtsumme von zwölf Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr kamen 192 Projekte hinzu, vor allem in den Bereichen Tourismus, Energie, Baugewerbe, Medikamentenproduktion und Dienstleistungen.

Wie Malmierca bekannt gab, sei es seit vergangenem November gelungen, 34 neue Projekte mit ausländischem Kapital in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar anzustoßen. Allein in der Sonderwirtschaftszone von Mariel kamen sieben neue Projekte hinzu, womit sich deren Anzahl auf 55 erhöht. Damit konnte sich das sozialistische Land trotz mehrfacher Verschärfung der US-Handelssanktionen dem selbst gesteckten Ziel von zwei bis 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr nähern, das als notwendig für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erachtet wird.

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