Peru / Politik

Peru: Präsidentschaftswahlen auf dem Höhepunkt der Pandemie

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Inmitten der dritten Corona-Welle: 25 Millionen sind in Peru zur Wahl aufgerufen
Inmitten der dritten Corona-Welle: 25 Millionen sind in Peru zur Wahl aufgerufen

Lima. Heute wählt Peru ein neues Staatsoberhaupt sowie ein neues Parlament. 25 Millionen Wahlberechtigte sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Stimme abzugeben oder eine Geldstrafe zu zahlen – Ausnahmen gelten für Corona-Erkrankte. Wahlprognosen sagen ein knappes Rennen zwischen mehreren Kandidat:innen voraus.

Die Wahlen finden zu einem epidemiologisch gesehen ungünstigen Zeitpunkt statt: Erst am Dienstag verzeichnete das Land 314 Todesfälle aufgrund von Covid-19 – der bisherige Rekord seit Beginn der Pandemie. Um die Wahlen auf dem Höhepunkt der dritten Infektionswelle so sicher wie möglich zu gestalten, hat die Wahlbehörde die Zahl der Wahllokale erhöht und deren Öffnungszeiten auf zwölf Stunden ausgedehnt.

Für die Präsidentschaftswahlen gilt ein zweiter Urnengang am 6. Juni fast schon als sicher. In den Umfragen erreichte niemand deutlich mehr als zehn Prozent. Sowohl die politische Rechte als auch die Linke sind tief gespalten. Ganze sieben Kandidat:innen haben eine realistische Chance auf den Einzug in die Stichwahl. Dennoch könnte es Überraschungen geben: Knapp ein Fünftel der Wähler:innen ist noch unentschlossen, genauso viele wollen ungültig abstimmen.

Gute Chancen werden Hernando de Soto zugesprochen. Der weltbekannte Entwicklungsökonom ist ein politischer Quereinsteiger und führt ein Team aus ehemaligen Fujimori-Verbündeten an. De Soto war selbst einer der Gestalter der neoliberalen Schocktherapie unter Alberto Fujimori (1990-2000). Doch auch für andere Autokraten des Globalen Südens wie Hosni Mubarak oder Muammar al-Gaddafi war er schon als Berater aktiv. De Soto fordert die Privatisierung der Corona-Impfstoffe und möchte das Land durch eine intensivierte Ausbeutung natürlicher Rohstoffe aus der Krise führen.

Obwohl sie in den letzten Jahren stark an Beliebtheit einbüßte, gilt Keiko Fujimori auch dieses Mal als Top-Kandidatin. Bereits 2011 und 2016 war die Tochter des Ex-Präsidenten in die Stichwahl eingezogen und verpasste den Wahlsieg zuletzt nur um wenige Tausend Stimmen.

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Ein weiterer Geheimfavorit ist der Linkskandidat Pedro Castillo. In mehreren nicht autorisierten "Last minute"-Umfragen landete er auf Platz zwei. In der rechten Presse wurde deshalb schon vor einer angeblichen Einmischung der maoistischen Partei und Guerillaorganisation "Leuchtender Pfad" in die Wahlen gewarnt.

Doch auch innerhalb Teilen der Linken stößt Castillos Kandidatur auf Unmut: Wiederholt betonte der Landschullehrer seine konservativen gesellschaftspolitischen Positionen: Abtreibung, Sexualaufklärung im Unterricht sowie die Ehe für Homosexuelle lehnt er strikt ab. Auch überraschte Castillo damit, dass er im Gegensatz zu seiner linken Rivalin Verónika Mendoza keine Reichtumssteuer einführen möchte. "Wir werden die Vermögen der Menschen respektieren", sagte er in einem Interview.

Weitere Favoriten sind die Mitte-rechts-Kandidaten Yonhy Lescano und George Forsyth, aber auch der Ultrarechte Rafael López Aliaga. Julio Guzmán, dem Kandidaten der derzeitigen Regierungspartei Partido Morado (Lila Partei), werden hingegen kaum Chancen eingeräumt.

Für den Kongress sehen die Demoskopie-Institute ebenfalls eine tiefe Fragmentierung voraus. Trotz Fünf-Prozent-Hürde könnten bis zu elf Parteien ins Parlament einziehen. Ein potenzieller Präsident oder Präsidentin hätte so kaum Rückhalt in der Legislative – ein Umstand, der die seit Jahren andauernde politische Krise verschärfen könnte.

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