Argentinien liefert Verbrecher der Pinochet-Diktatur an Chile aus

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Klug wurde am 12. Juni in Buenos Aires verhaftet
Klug wurde am 12. Juni in Buenos Aires verhaftet

Buenos Aires/Santiago. Nach der Festnahme des Ex-Militärs Walter Klug wegen Verbrechen gegen die Menschheit am 12. Juni hat Argentinien seine Auslieferung nach Chile genehmigt. Der oberste Bundesrichter, Julián Ercolini, bewilligte das entsprechende Gesuch.

Walter Klug, der wegen Mordes an 23 Arbeitern während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet (1973-1990) verurteilt worden war, ist nach seiner zweiten Flucht aus Chile vor einigen Tagen per internationalen Haftbefehl von Interpol gesucht worden. Schon nach seiner Verhaftung in Buenos Aires, die durch die Zusammenarbeit der chilenischen und argentinischen Sicherheitsbehörden und der zuständigen Ministerien möglich wurde, kündigte der Innenminister die Absicht der Regierung von Präsident Alberto Fernández an, Klug auszuliefern.

"Walter Klug Rivera wurde draußen vor dem zweiten Hotel gefasst, in dem er sich versteckte. Er wollte es einige Stunden später verlassen mit dem Ziel, weiter vor der Justiz zu fliehen“, verkündete die chilenische Kriminalpolizei auf Twitter.

Es war die Außerordentliche Ministerin am Berufungsgericht für Menschenrechtsverletzungen in Santiago, Paola Plaza, die einen internationalen Haftbefehl gegen den Ex-Militär der Pinochet-Diktatur bei Interpol erwirkte.

Nach dem Ende der Diktatur machte Klug weiter Karriere beim Militär. Erst 2014, kurz nach seiner Pensionierung, verurteilte das Oberste Gericht Chiles ihn zu zehn Jahren und einem Tag Haft wegen seiner Beteiligung an der Entführung und Ermordung von 23 Arbeitern eines Wasserkraftwerks.

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Schon 2014 entzog Klug sich der Justiz und wurde erst im Februar 2020 aus Italien in das südamerikanische Land zurückgeführt.

Seine jüngste Flucht aus Chile wurde am 8. Juni durch die Menschenrechtsorganisation Londres38 publik gemacht. Nach ihren Angaben hatte Klug die argentinische Grenze übertreten und einen Flug nach Europa, erst nach Spanien und dann nach Deutschland, geplant.

Deutschland war bereits 2015 sein Ziel, da er durch seine doppelte Staatsbürgerschaft nicht ausgewiesen werden kann. Er lebte vier Jahre unbehelligt in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Vallendar.

Die Kommission für Menschenrechte Chiles kritisierte die fehlende Weitsicht der Gerichte heftig, die trotz einer vorherigen Flucht bis auf Hausarrest und einen monatlichen Besuch bei der Polizei keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen trafen, um eine erneute Flucht zu verhindern.

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